{"id":1011,"date":"2016-10-15T13:40:51","date_gmt":"2016-10-15T11:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1011"},"modified":"2016-10-15T13:42:18","modified_gmt":"2016-10-15T11:42:18","slug":"weil-sein-musswas-nicht-sein-darf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.peter-porsch.de\/?p=1011","title":{"rendered":"Weil sein muss,was nicht sein darf."},"content":{"rendered":"<p>Literarisch Gebildete m\u00f6gen erkannt haben, dass ich mich mit diesem Titel an Christian Morgenstern anlehne. Das ist nicht falsch. Die meisten kennen wohl sein Gedicht \u201eDie unm\u00f6gliche Tatsache\u201c. Morgenstern berichtet vom Missgeschick seines<br \/>\nHelden Palmstr\u00f6m, der von einem \u201eKraftfahrwagen\u201c \u00fcberfahren wurde. Nachdem er nach der Ursache gr\u00fcbelt, kommt er zur Erkenntnis, dass 1. der \u201eKraftfahrwagen\u201c an dieser Stelle gar nicht fahren h\u00e4tte d\u00fcrfen, und deshalb 2. der Unfall nur ein Traum sein konnte: \u201eweil nicht sein kann, was nicht sein darf.\u201c Nun werden Genies immer wieder geboren. Sachsen darf sich eines solchen r\u00fchmen. Es handelt sich um den AfD-Abgeordneten zum S\u00e4chsischen Landtag, Carsten H\u00fctter. Eine wahre Leuchte seiner Zunft. Wie es sich f\u00fcr alternative und deshalb aufs\u00e4ssige Abgeordnete geh\u00f6rt, stellt er so genannte \u201eKleine Anfragen\u201c an die Staatsregierung, vornehmlich zu dem Zweck, um sie in Verlegenheit zu  bringen. So weit so gut. Nur mit der Verlegenheit ist es so eine Sache, wie wir gleich feststellen werden. Alternativus H\u00fctter hatte einen Verdacht oder sogar eine Information: Eine Vergewaltigung sollte stattgefunden haben, vielleicht auch nur der Versuch, aber immerhin. Dem Zeitgeist folgend konnte der T\u00e4ter aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein Ausl\u00e4nder gewesen sein. Das war f\u00fcr den f\u00fcr die  deutsche Leitkultur bestellten H\u00fcter H\u00fctter schon klar. Er wusste jedoch auch, dass solches der Wahrung eines positiven Bildes von Multikulti wegen, gerne verheimlicht w\u00fcrde. Sicher, so vermutete er weiter, w\u00fcrde sich die CDU-gef\u00fchrte s\u00e4chsische Staatsregierung an diesen Schutz von Fremdem und Fremden halten. Sie ist ja landauf, landab f\u00fcr ihre ausl\u00e4nderfreundliche, antipatriotische Haltung bekannt. Also fragte Herr H\u00fctter s\u00fcffisant: ob es im Mai 2016 im Maxim-Gorki Park eine Vergewaltigung gab, ob diese im Zusammenhang mit einem Asylbewerber stand oder ob durch das Opfer in der T\u00e4terbeschreibung ein Hinweis auf einen Asylbewerber gegeben wurde? Gefragt hat er \u00fcberdies, ob der Fall an die Presse kommuniziert wurde? Hier sei mir der Hinweis auf das vorbildlich-alternative Deutsch gestattet. Vertreter von \u201eSystemparteien\u201c w\u00fcrden wahrscheinlich anders fragen. Zum Beispiel, ob die Sache an die Presse \u201egemeldet\u201c oder \u201eweitergegeben\u201c wurde. MdL H\u00fctter insistierte aber noch weiter: \u201eGab es Versuche seitens der Beh\u00f6rden oder Dritter, das Opfer zum Schweigen zu bringen?\u201c Und: \u201eWelchen Stand haben die Ermittlungen?\u201c Meine werten Leserinnen und Leser muss ich nun, bevor ich den eigentlichen Fortgang behandle, um Entschuldigung f\u00fcr das von mir gew\u00e4hlte Wort \u201einsistieren\u201c bitten. Es gef\u00e4llt mir einfach, weil laut DUDEN \u201ebildungssprachlich\u201c. Und mit der Bildung will man ja der \u201eAlternative\u201c f\u00fcr Deutsch und ihrem \u201eKommunizieren\u201c nicht hintanstehen. F\u00fcr die einfacheren Gem\u00fcter aber: Herr H\u00fctter blieb beharrlich, und die Staatsregierung war um eine Antwort nicht verlegen. Oder doch? Sie wusste n\u00e4mlich von nichts; nichts von einer Vergewaltigung, auch nichts von einer solchen durch einen Asylbewerber. Deshalb wusste sie nat\u00fcrlich auch nichts von Ermittlungen und konnte nun auch der Logik der Dinge folgend nichts zu einem m\u00f6glichen Versuch, das Opfer zum Schweigen zu bringen, sagen. Das alles \u00fcbermittelte (\u201ekommunizierte\u201c) sie brav dem H\u00fctter. Ihre leitkulturelle Beflissenheit, doch Licht in das Dunkel zu bringen, betonend, meldete der Innenminister au\u00dferdem, dass zwar flugs Nachforschungen eingeleitet worden waren, leider aber auch keine einschl\u00e4gigen Erkenntnisse gebracht h\u00e4tten. Welche Schande! Aufmerksame Rezipientinnen und Rezipienten (auch \u201eLeserinnen und Leser\u201c, aber weniger gebildet) der regierungsseitigen (endlich gebildetes Deutsch) Antwort haben aber den wahren Grund f\u00fcr den Misserfolg der Untersuchungsbeh\u00f6rden in der allerersten Frage des Herrn H\u00fctter erkannt. Herr H\u00fctter frug (altes Deutsch) n\u00e4mlich nach einer Vergewaltigung im Maxim-Gorki-Park. Jetzt waren alle zur Antwort Verpflichteten ratlos. In ganz Sachsen gibt es keinen Maxim-Gorki-Park. Daran trifft Herrn H\u00fctter jedoch keine Schuld, weil f\u00fcr seine alternativen Zwecke wohl sein muss, was nicht sein darf. Ich meine freilich, dass es einen solchen Park in Sachsen tats\u00e4chlich nicht gibt, nicht geben darf, ist der eigentliche Skandal.<\/p>\n<p>(geschrieben f\u00fcr &#8222;Links&#8220;, November 2016, 12.10.2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literarisch Gebildete m\u00f6gen erkannt haben, dass ich mich mit diesem Titel an Christian Morgenstern anlehne. Das ist nicht falsch. Die meisten kennen wohl sein Gedicht \u201eDie unm\u00f6gliche Tatsache\u201c. Morgenstern berichtet vom Missgeschick seines Helden Palmstr\u00f6m, der von einem \u201eKraftfahrwagen\u201c \u00fcberfahren wurde. 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