Helft Haiti

2010 15 Januar
von Peter Porsch

Datum: Thu, 14 Jan 2010
Von: “Luis Morago – Avaaz.org”
An: “WLambrecht@gmx.at” ……leitet weiter…….
Betreff: Solidarität mit Haiti

Liebe Freundinnen und Freunde!

Das schwerste Erdbeben seit 200 Jahren hat Haiti erschüttert. Die
Hauptstadt ist verwüstet, Zehntausende sind umgekommen, und die Lage
bedroht über drei Millionen Einwohner des geplagten Inselstaates.

Die Haitianer appellieren an die Welt um Hilfe. Wir sind bereits im Kon-
takt mit starken lokalen Organisationen,die Soforthilfe in den betroffenen
Gemeinden organisieren. Lasst uns eine weltweite Spendenwelle an die
vorderste Front anrollen, um Leben zu retten und den Menschen beim
Wiederaufbau zu helfen. Avaaz arbeitet mit Partnern um sicherzustellen,
dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am meisten benötigt. Spenden
Sie hier:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Aufgrund von verschieden Gutachten von führenden humanitären NGO’s, die
seit mehr als 30 Jahren in Haiti arbeiten, werden wir vertrauenswürdige
lokale Organisationen unterstützen, darunter:

- Ehre und Respekt für Bel Air, ein großes lokales Netzwerk in Haitis
Hauptstadt Port-au-Prince, das auch durch unsere Freunde, der angesehenen
brasilianischen NGO Viva Rio, unterstützt wird
– Coordination Régionale des Organisations de Sud-Est (CROSE), die
einige der aktivsten lokalen Gruppen im Süden von Haiti, der am
schlimmsten betroffenen Region. Zu diesen Gruppen gehören: Frauengruppen,
Schulen und lokale Genossenschaften.
Im Jahr 2008 haben Avaaz-Mitglieder über 2 Millionen Dollar für die
burmesischen Mönche gespendet, um auf den verheerenden Wirbelsturm Nargis
zu reagieren. Unser Geld machte einen großen Unterschied – denn es ging
direkt an die lokale Bevölkerung an vorderster Front.

Solch verheerende Naturkatastrophen bringen das Beste in uns z.Vorschein,
indem Menschen zusammenfinden. Zeigen wir nun Solidarität mit den
Menschen in Haiti und helfen wir ihnen, diese Katastrophe zu bewältigen —
Handeln Sie bitte jetzt:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Mit Hoffnung für Haiti,

Luis, Paul, Graziela, Paula, Ricken, Pascal, Alice, Benjamin, Julius,
Milena und das ganze Avaaz-Team

Mehr Information:

Erdbeben in Haiti:

http://www.spiegel.de/thema/erdbeben_in_haiti/

Haitis Regierung befürchtet Zehntausende Tote:

http://www.ftd.de/politik/international/:erdbeben-in-der-karibik-haitis-regierung-befuerchtet-zehntausende-tote/50059636.html

Haiti-Erdbebenhilfe läuft nur schleppend an:

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5125954,00.html

Hintergrund: Haiti, ein geschundenes Land:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,671837,00.html

———————————————————————-

Avaaz unterstützen? Unser Netzwerk wird ausschliesslich durch Spenden
finanziert und akzeptiert kein Geld von Regierungen oder Konzernen. Unser
engagiertes Online-Team sorgt dafür, dass selbst die kleinsten Beträge
effizient eingesetzt werden — Spenden Sie hier.
————————————————————————-
ÜBER AVAAZ

Avaaz.org ist eine unabhängige, nicht-profitorientierte Organisation, die
internationale Kampagnen organisiert und sicherstellt, dass die Meinungen
und Wertvorstellungen der Weltöffentlichkeit globale Entscheidungen
mitbestimmen (Avaaz bedeutet “Stimme” in vielen Sprachen). Avaaz akzeptiert
kein Geld von Regierungen oder Konzernen und wird von einem internationalen
Kampagnenteam betreut. Avaaz betreibt Büros in New York, Washington,
London, Paris, Genf und Rio de Janeiro.Telefon +1 888 922 8229 oder +55 21
2509 0368. Klicken Sie hier ,um mehr über unsere Kampagnen zu erfahren.
Beachten Sie auch unsere Seiten aufFacebook und Myspace und Bebo!

Von verschiedenen Schwertern, Spießen, Pflugscharen und Sicheln. Oder: Was ist eigentlich Käß‘ Mann?

2010 12 Januar
von Peter Porsch

Da war einmal ein Land – nicht sehr groß – etwas im Osten gelegen, jedenfalls vom Westen aus gesehen. Viele Einwohner dieses Landes hatten Brüder und Schwestern im Westen und die glaubten an den gleichen Gott und beteten ihn auf die gleiche Art und Weise an. Dafür sorgte eine „Kirche“. Also eigentlich war es eine Vereinigung, deren Namen sich vom Wort mit der ursprünglichen Bedeutung „Haus, dem Herren gehörig“ oder kurz „Gotteshaus“ ableitete. Von dem Haus war prophezeit: „In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem Gottes Haus steht, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: ‚Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln!‘ Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Ländern. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“ (Micha 4,1 – 4) Darauf kann man sich wirklich freuen, weshalb die einen im Westen den anderen im Osten sagten, sie sollten doch ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Die Zeit wäre reif. Seid fortan keine Heiden mehr und lasst uns gemeinsam zum Berge des Herren gehen. Und die Kirche fand, dass das gut war – jedenfalls für das Land im Osten. Es war ja auch gar nicht so schlecht und fiel im Land im Osten auf fruchtbaren Boden. Das Land im Osten hatte nämlich einst mit dem Schmieden von Pflügen begonnen. Es hatte Landlosen Land gegeben und wollte ein Land der Bauern und Pflugschmiede werden. Eines Tages kam es aber auf die Idee, auch Schwerter zu brauchen. Dies zu erklären wäre eine lange und nicht wirklich schöne Geschichte. Die Schwerter, die das Land schließlich hatte, wollte es auch nicht mehr zu Pflugscharen machen, weil es dem Frieden nicht traute. Wer anderes wollte, wurde gemaßregelt. Freilich, Krieg hat das Land nie geführt – nie führen müssen – jedenfalls nicht unter Einsatz der heiß geschmiedeten Schwerter. Am Ende ging das Land unter. Zu erklären warum, wäre wieder eine lange Geschichte. Das Land käme auch hier nicht gut weg. Seine Schwerter aber wurden tatsächlich eingeschmolzen oder an fremde Länder verkauft. Dies schien gerechtfertigt, weil kein Krieg mehr zu drohen schien. Das Land verschwand im Westen – im Land der Brüder und Schwestern, in dem, wie auch prophezeit war, die Häupter der Stadt Recht sprechen und „nehmen dafür Geschenke an, ihre Priester lehren gegen Bezahlung. Ihre Propheten wahrsagen für Geld und doch berufen sie sich auf den Herrn und sagen: ‚Ist nicht Gott in unserer Mitte? Niemals kann Unheil über uns kommen!‘“ (Micha 3,1-12) Das hätte sein können, hätte dieses Land nicht Unheil über andere gebracht und seine Schwerter gebraucht. „Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.“ (Micha 4,5) Außerdem war ja prophezeit, dass die Heiden zurechtzuweisen seien, und sie, ja sie, ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden hätten. Doch als der Krieg in die Jahre kam und nicht zu gewinnen war, kam eine Bischöfin der Kirche und meinte, man sollte innehalten. Ja, man konnte sogar vermuten, sie dächte gar, die eigenen Schwerter könnten zu Pflugscharen werden und die Spieße zu Sicheln, so wie von den Brüdern und Schwestern einst im alten Osten verlangt. Da schallte es ihr aber kräftig entgegen aus einer Gut(t)en Berg Predigt: „Das ist doch Käß‘ Mann!“ Weshalb der es sagte, fortan Guttenberg hieß, und die es hörte, Käßmann. Die Schwerter aber blieben Schwerter und die Spieße Spieße – auf beiden Seiten. Offen blieb, wo der Berg sich befindet, auf dem Gottes Haus steht, und ob er tatsächlich fest steht und höher als alle Berge. Und die Völker liefen deshalb nicht herzu. Nicht zu den einen und nicht zu den anderen. Feigenbaum und Weinstock indessen, unter denen alle, so er ihnen gehört, leben könnten, werden verbrannt statt gepflegt.

Erlaubt – Verboten?! – Der alltägliche Wahnsinn der Vermischung von Sein und Sollen oder Recht und Macht.

2009 30 Dezember
von Peter Porsch
“Erlaubt” “Verboten”
Luftverschmutzung Rauchen in Kneipen
Kirchtürme (auch in Afrika und Asien) Minarette (Schweiz, Kärnten …)
Abendland in Christenhand (FPÖ) Morgenland in Islamhand
Nonnenschleier in Schulen Kopftücher in Schulen
Mörder Soldaten
Pornographie Burka (demnächst)
Demos (überall) Demos (überall)
Bomben (nach staatlichem Bedarf überall) Sylvesterknaller (z.B. Österreich)
religiöse Werbung atheistische Werbung
Rechtsverkehr Rechtsverkehr (z.B. England)
Linksverkehr (z.B. Deutschland) Linksverkehr
DDR-Vergangenheit (z.B. Tillich, Merkel) DDR-Vergangenheit (linke PolitikerInnen)
Bagatellisieren derselben (s.o.) Bagatellisieren derselben (s.o.)
Beschiss von WählerInnen WC-Benutzung im Flugzeug (demnächst)
Videoüberwachung gebührenfreier Rundfunkempfang
Alkohol Haschisch
Mission (christl. Kirchen) selbstbestimmte Religionsausübung
selbstbestimmte Sexualität selbstbestimmte Sexualität
Delogierung/Exmittierung Hausbesetzung
Banker-Boni Bagatelldiebstähle
Adoption in Hetero-Beziehung Adoption in Homo-Beziehung
Mauer (in Nahost) Mauer
Ausreise Einreise
Einreise Ausreise
Lebensmittel vernichten entsorgte Lebensmittel genießen
……….. …………..

Ich bitte um Ergänzung!

Vom Klima beim Klimagipfel, Käfigen und großen Tieren.

2009 16 Dezember
von Peter Porsch

Als Kinder haben wir gesungen: „… der Frühling bringt Blumen, der Sommer bringt Klee, der Herbst, der bringt Trauben, der Winter bringt Schnee.“  Angeblich hat die Anzahl „weißer Weihnachten“ seit den letzten 50 Jahren rapide abgenommen. Das freut bestimmt das Transportwesen, entlastet die Industrie, erspart klammen Kommunalkassen die Schneeräumung. Die Frühlinge sind jetzt eher kurz in unseren Breiten. Na und? Blumen holen wir aus dem Gewächshaus. Der Herbst wird eher lang und sonnig – auch schön, für Städteflugreisen und sogar für die Trauben! Die Sommer freilich bedrängen den Klee vor allem durch Unwetter und Hochwasser. Afrika stöhnt unter der Dürre oder hat schon keine Kraft mehr dazu. Inselvölker wandern aus. China und die USA dagegen sehen alles immer noch vorrangig betriebswirtschaftlich. Und was bringt ein Klimagipfel? Vor allem Hunderttausende, die Kopenhagen ansteuerten, darunter über 120 Staatschefs, aber noch sehr viel mehr Menschen, die sich echte Sorgen machen um das Klima und dies auch zum Ausdruck bringen wollten – hörbar, sichtbar und auch spürbar. Ich weiß nicht genau, wann das Wort „Klima“ mit seiner heutigen Bedeutung in den verschiedenen Sprachen auftauchte. Wer dafür verantwortlich war, muss Weitsicht mit Pessimismus in genialer Weise verbunden haben. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutete dort „Abhang“, „geneigte Fläche“. Und dass das Klima den Abhang runter zu gehen droht, wird kaum wer leugnen können. Die griechische Wurzel ist uns auch noch gegenwärtig im Wort „Klinik“ und meint dort das „Sich-zum-Kranken-neigen“ bzw. einfach „das Bett“. Dass sich in Kopenhagen viele über das Krankenbett des Klimas neigten, ist wohl auch nicht zu bestreiten. Eben so wenig jedoch auch, dass Diagnose, Therapie und Ansichten über die Schwere der Krankheit und die Heilungschancen sehr weit auseinandergehen. Der Tod allerdings ist umso sicherer, je weniger sich die Ärzte einig sind. Viele Ärzte hatten wohl nur ihr eigenes Wohl und nicht das des Patienten im Sinn. Ihre Frage war, wie lange kann man zum eigenen Gewinn eigentlich den Patienten noch quälen? Es entstand ein merkwürdiges Klima im Streit um das Klima. Die zwei Bedeutungen von „Klima“ sind im DUDEN-Universalwörterbuch verzeichnet. Einmal ist es der „typische jährliche Ablauf von Witterung“, zum anderen ist es eine „durch besondere Ereignisse oder Umstände hervorgerufene Atmosphäre … zwischen Personen, Gruppen, Staaten“. Was die Klimaproblematik betrifft ist das DUDEN-Universalwörterbuch bereits seit langem  komplett. Es verzeichnet  „Klimaänderung“, Klimaverschlechterungl“ und schließlich „Klimakatastrophe“. Was das Vorgehen gegen Demonstrantinnen und Demonstranten durch die dänische Polizei betrifft, ist dieses Wörterbuch aber überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit. Der „Gast“(?)-Geber sperrte den Protest, wenn es ihm passte, einfach in Käfige – nur auf Grund von Verdacht: Ein merkwürdiges Klima, ja eine eigene Klimakatastrophe für demokratische Einmischung in die eigenen Angelegenheiten. Zum „Käfig“ aber steht im DUDEN-Universalwörterbuch: „Raum für gefangen gehaltene größere Tiere, dessen Wände aus Gitterstäben, Drahtgitter o.Ä. bestehen.“ Käfige sind im Sinne bisheriger Wortbedeutung also „größeren Tieren“ vorenthalten. So gesehen hätten nicht Demonstrantinnen und Demonstranten hinein gehört, sondern, wenn überhaupt Menschen, die angereisten Politikerinnen und Politiker. Denn man findet im Wörterbuch auch „ein hohes/großes Tier“. Das ist „eine Person von großem Ansehen, hohem Rang“. Mag das mit dem „großen Ansehen“ im gegebenen Fall schon so eine zweifelhafte Sache sein, von hohem Rang waren sie allemal die „großen Tiere“.

Der Senner und das Minarett in der Schweiz, in der Schweiz, in der Schweiz …

2009 30 November
von Peter Porsch

In der Schweiz da stand ein Minarett.

Sein Anblick war im Grund ganz nett.

Der Sennerin gefiel das auch,

der Senner kratzt sich seinen Bauch.

Was sieht die Sennerin hier steh‘n?

Was mag ihr nur im Kopf rum geh‘n?

Ein Kirchturm ist es nämlich nicht,

so schlank und spitz im Abendlicht!

Im Abendlicht, so spitz und schlank?

Dem Senner wird es ziemlich bang.

Woran er denkt, dran denkt man nicht,

wenn mal ein Minarett in Sicht.

Drum lässt er es verbieten -

Übrigens:

Im Bett war er ne Nieten!

(29.11.09)

Wählen in der Linken oder der Naschmarkt von Burgstädt.

2009 21 November
von Peter Porsch

In Wien gibt es einen Naschmarkt. Ich war da unlängst. Auf dem Naschmarkt geht es zu, wie auf jedem Bauern- und Wochenmarkt – nur etwas größer und lauter, bunter, vielfältiger und den Besucher überrumpelnd bis an die Grenze der Hilflosigkeit. Es gibt ein überwältigendes Angebot. Die Ware wird lauthals angepriesen. Da gibt es nichts Schlechtes, nur Prächtiges, Nahrhaftes, Frisches. Nimmt man alles ernst, was so präsentiert und mit überschwänglich lobenden Worten ausgerufen wird, so müsste man eigentlich den ganzen Markt, mit allem, was er zu bieten hat, aufkaufen. Freilich macht da der Geldbeutel nicht mit und noch weniger die eigene Genussfähigkeit. Von all‘ den Tonnen herrlichster Speise und den Hektolitern paradiesischenTranks sind vernünftiger Weise nur halbe, maximal ganze Kilo und halbe vielleicht ganze oder doppelte Liter vernünftig auszuwählen und heim zu nehmen. Und die Lust, der Appetit, der Durst und Hunger können noch so groß, die Verlockungen noch so appetitlich und süß, die Werbung verführerischer nicht sein, wenn der Beutel voll ist, geht nichts mehr und das Gute muss liegen bleiben. Dass da aber jemand mal rät, was man besser liegen lassen sollte, dass da jemand einen Hinweis gibt, dass etwas vielleicht nicht so ganz das hält, was es und seine Anbieter versprechen, dass jemand kritische Fragen stellt, die ernsthaft und wahrhaft beantwortet werden, das kennt das Marktgeschehen nicht. Nun, Kostproben sind möglich. Die Angebote sprechen sozusagen für sich selbst, natürlich in ihrer ganzen hervorgehobenen Köstlichkeit. Wer schmeckt da schon Nachteile, wenn die ganze Umgebung nur Vorteile kennt?
Und nun erlaube ich mir einen Vergleich: Ich war unlängst auch in Burgstädt bei Chemnitz. Da war ein Parteitag der Partei Die LINKE. Da wurde angeboten und ausgewählt. Für ein üppiges Mahl mit vielen Gängen: Landesvorstand, Revisionskommissionen, Bundeskommissionen usw. usw. Das Angebot war mehr als üppig. Man konnte sich wirklich freuen darüber und der Anbieter waren auch nicht wenige. Sie lobten, was es nur zu loben gab – überschwänglich, eindringlich, natürlich nie aufdringlich, aber mit Überzeugung von der Qualität des oder der zu Lobenden. Die ganze wuchernde Kraft von Kompetenz in der Partei und ihrer Mitglieder wurde sichtbar, ja, spürbar, mit allen Sinnen wahrnehmbar. Da kommt Freude auf und Lust, alle für die Partei heran zu holen. Gerade dies ließ aber mehr und mehr auch eine Erinnerung keimen, eine Erinnerung, die sich immer stärker ins Gemüt schlich, die nicht mehr los zu werden war. Eine Erinnerung an Zeiten, wo man dem Angebot noch nicht so vertrauen konnte, auch nicht auf so viel Fürsprache stieß. Ganz früher, ganz am Anfang, da fragten Vorsichtige noch danach, ob denn da auch irgendwo was bemängelt werden könnte, ob das, was versprochen wurde, auch über längere Zeit und unter ungünstigen Umständen einzuhalten gelingen konnte. Da wurde nachgefragt, nach Eigenschaften und Plänen. Und man konnte sich ein Bild machen von Möglichkeiten und Grenzen, von erfüllbarer Hoffnung und vielleicht nötiger Hilfe, von erwartbaren Stärken und Schwächen. Solche Fragen gab es am Naschmarkt von Burgstädt nicht. Die Kostproben wirkten in ihrer ganzen Herrlichkeit, überlegt zurecht gemacht – zwingend überzeugend. Und indem ich wacker und überwältigt mitmachte, keinem Angebot das Lob ausschlug, wenn man es denn zu brauchen schien, begann mich eine Frage zu quälen: Sind wir wirklich so gut geworden oder ist uns nur ein nützlicher Brauch abhanden gekommen?
(geschrieben für “Sachsens Linke” – Dezember 2009

Vom Stolperer eines Selbstgerechten.

2009 28 Oktober
von Peter Porsch

Da hat es schon einer bemerkt.wesjohan - tweetIch habe im vorigen Blog schon im ersten Satz von “unserer Partei” gesprochen und die SED gemeint. Ganz bewusst übrigens und nicht einer Freud’schen Fehlleistung wegen. Das lässt den Kritiker drüber stolpern, um sich dann zu erheben – über mich/über uns. Das genügt ihm, zu unterstellen, ich/wir wären noch die Alten. Das genügt ihm, um froh zu sein, nach einem Jahr bei uns wieder ausgetreten zu sein. Das Lesen war wohl nie sein Fach gewesen, jedenfalls nicht das Weiterlesen, wenn doch das Vorurteil schon bestätigt zu sein scheint. Nun gut, wir haben vor 20 Jahren die SED nicht aufgelöst, wir haben sie vielmehr radikal verändert – wegen der alten Ideale und der neuen Träume und der Ehrlichkeit wegen. Wir verleugnen nicht unsere Herkunft und nicht unsere Ziele und nicht unsere Probleme auf dem Weg dahin. Wir haben eine Geschichte und jeder und jede von uns hat eine Biographie von seinem und ihrem eigenen Anfang bis heute und weiter und weiter. Wir haben gelernt, nicht alles zu wissen, wir haben aber auch gelernt, zu uns selbst zu stehen. Und deshalb gibt es bei uns Junge und Alte und solche, für die auch die SED ihre Partei gewesen sein muss, und solche, die von dieser Partei kaum noch etwas wissen oder jemals wissen wollten.

Von Kampfreserven und Jugendbrigaden oder sag‘ mir, wo die Flügel sind!

2009 28 Oktober
von Peter Porsch

Einst hatte unsere Partei eine Kampfreserve. Das war die FDJ und das war angeblich gut so. FDJ-Chef Honecker beerbte deshalb den alten Ulbricht und FDJ-Chef Krenz folgte auf Honecker. FDJ-Chef Aurich jedoch kam nicht mehr zum Zug. Es war schon alles vorbei. Ulbricht musste man ein wenig weg beißen, Honecker unsanft beiseite schieben, Krenz fiel ins Bodenlose und da war eben auch für Aurich kein Halt mehr. Doch Kampfreserve waren sie einst alle – sie waren irgendwie einer wie der andere. Das bringt offensichtlich nicht weiter, sondern programmiert vielmehr das Ausscheiden aus der Geschichte. Die Partei aber konnte sich im freien Fall fangen. Nicht die ganze. Da war zu viel Ballast. Da war ein Panzer, der abzusprengen war. Und siehe da, es kamen Flügel zum Vorschein und wir konnten fliegen. Die Flügel trugen die alten Ideale und die neuen Träume. Sie waren dennoch nicht einfach das Junge und nicht einfach das Alte. Sie befanden sich nicht nur nebeneinander, sondern oft einander gegenüber und dennoch sicherte ihr Flattern den Flug und eine gar nicht so schlechte Landung. Ging der Flug noch über kargen Boden, so fand sich die Landung schon im Futter. Kann sein, dass deshalb weiterer Flug nicht so wichtig erschien, sondern eher Sicherung der Pfründe? Ganz falsch ist das doch nicht! Wir wurden immer stärker, nur die Flügel erlahmten. Und Alt war wieder wer und Jung strebte nach. Nur Kampfreserve war nicht mehr. Damit war es wirklich schief gegangen. Jung wollte wer werden, auch anders als Alt schon geworden, und so standen sich Jung und Alt plötzlich gegenüber – ein jedes auf seine Art. Erstaunt, nein, sogar erschrocken waren die Alten, ob des Verlustes der Kampfreserve und nannten von Stund‘ an die Jungen „Brigade“. Das kommt aus dem Italienischen und heißt „streitbarer Haufen“. Sie gingen mit den Jungen um wie die Alten immer schon und die Jungen halfen Ihnen dabei trefflich, weil sie vielleicht zu oft so waren, wie die Alten sie sich in ängstlichem Kampfesmut vorstellten. „Jugend kennt keine Tugend“, hörte man, Jugendsünden, Jugendtorheiten wurden beschworen und auch begangen. Sokrates aus dem alten Griechenland wurde erinnert, der der Jugend schlechte Manieren und Verachtung der Autorität nachsagte. Dem tönt es wiederum keck mit dem Romantiker Novalis entgegen, „wo Jugend ist, ist Republik“. Kann es sein, dass die Hackordnung für einen fluglahmen Hühnerhaufen wichtiger wurde als die Lufthoheit im Revier? Gilt Quote statt Flügel, Pfründe statt solidarischer Streit samt Lösung? Die Frage will ich nicht beantworten, weil ich sie optimistischer Weise noch für offen halte. Allerdings will ich, was die Erarbeitung einer Antwort betrifft, Bertrand Russell folgen: „Ich hätte gern eine Welt, in der das Ziel der Erziehung geistige Freiheit wäre und nicht darin bestünde, den Geist der Jugend in eine Rüstung zu zwängen, die ihn das ganze Leben lang vor den Pfeilen objektiver Beweise schützen soll. Die Welt braucht offene Herzen und geistige Aufgeschlossenheit, und das erreichen wir nicht durch starre Systeme, mögen sie nun alt oder neu sein.“

Herr Prof. Jur. und die Sächsische Landesverfassung

2009 27 Oktober
von Peter Porsch

Wenn es stimmt, dass ein Professor der Leipziger Juristenfakultät protestierende Studierende als “Kommunistenschweine” bezeichnet hat, dann ist meines Erachtens Folgendes zu bedenken:

Man kann Profs. nicht aus fachlichen Gründen kündigen, sehr wohl aber aus disziplinarischen oder wegen eklatanter Rechtsverstöße. Und wenn der besagte Jura-Prof. auch nicht bei der Stasi war, um gekündigt zu werden, so könnte man doch vermuten, dass die Äußerung “Kommunistenschweine” gegen Art. 9, Abs. 2 der Landesverfassung (“Die Jugend ist vor sittlicher… Gefährdung zu schützen.”) und Art. 14. Abs. 1 (“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”) verstößt Die sittliche Gefährdung und die Missachtung der Menschenwürde gehen zwar nicht von der Bezeichnung “Kommunisten” aus, wohl aber von der Bezeichnung der Kommunisten, die Menschen sind mit unantastbarer Würde, als “Schweine”. Als Hochschullehrer hat er damit seine Vorbild- und Schutzfunktion bezüglich der Abwehr sittlicher Gefährdung der Jugend und als Beamter (= Teil der staatlichen Gewalt) seinen besonderen Schutzauftrag bezüglich der Menschenwürde gröblich verletzt, weshalb er für mich als Beamter und Hochschullehrer nicht mehr tragbar erscheint.

Von der Quelle Übel, von Geld und Fluss und der Verschiedenheit des Trockenen.

2009 21 Oktober
von Peter Porsch

Wenn eine Quelle versiegt, kann das weder am Ober-, Mittel- oder Unterlauf des Flusses liegen. Dort kann das Wasser der Quelle höchstens versickern, weil zu wenig Wasser dazu kommt, was freilich genau so das Ende des Flusses bedeutet wie das Versiegen der Quelle. Alle Quellen der Wirtschaft sind die Banken. Das habe ich im Wahlkampf bei der Leipziger Industrie- und Handelskammer gelernt. Sie speisen den Blutkreislauf der Wirtschaft, hat man mir gesagt, was man durchaus mit Quelle und Fluss vergleichen kann. Die Quellen von Quelle zum Beispiel sind demnach Banken. Sie haben ihr Sprudeln beendet.

Warum aber?

Da hat jemand den Fluss schlecht verwaltet, ihn umgeleitet und für zu wenig neuen Zufluss gesorgt! Das Wasser der Quellen von Quelle, um im Bild zu bleiben, verflüchtigte sich, ohne etwas zu leisten. Keine Furt (heute: Fürth) wird mehr gebraucht und die schon von Slawen gepflanzten Linden, die der Stadt Leipzig ihren Namen gaben, können verdorren. Natürlich war das Wasser in Wirklichkeit Geld. Aber man spricht nicht ohne Grund vom Geldfluss.

Das Wasser der Quellen von Quelle sucht sich jetzt sicher einen anderen Weg ans Licht und einen Lauf, wo wieder Zufluss zu erwarten ist. Die Quellen von Quelle ficht also das Versagen der Flussverwaltung nicht an. Die Flussverwaltung jedoch hat noch schnell das letzte Wasser  - was in Wirklichkeit natürlich wiederum Geld war – für sich entnommen und wird davon wahrscheinlich leben bis ans Ende ihrer Tage. Sie haben den Rest des Wassers sozusagen in trockenen Tüchern.

Und wer sind die Dummen? Das sind die, die den (Geld-)Fluss für sich durch ehrliche Arbeit nutzten – die Fischer, die Schiffer, die Fährleute, die Brückenmeister oder jene, die am Ufer ihre Geschäfte machten und davon leidlich leben konnten.

Sie sitzen jetzt, wie der Volksmund so schön sagt, auf dem Trockenen und hatten keine Schäfchen, die sie mit ins Trockene bringen konnten.