Vom Krieg, von der Umgangssprache und vom Klartext der Sprichwörter und Weisheiten.

14 April 2010
von Peter Porsch

„Umgangssprachlich“, hat er gesagt, der zu Guttenberg, und das „Umgangssprachlich“ noch einmal betont, „umgangssprachlich“ handele es sich um Krieg, was in Afghanistan passiert. Drei tote deutsche Soldaten und mindestens fünf tote Afghanen haben das aktuell bestätigt, was das Umgangssprache sprechende Volk schon lange wusste. Deutschland ist im Krieg! Überhaupt das Volk: Es weiß immer schon mehr und das meistens besser als jene, die es regieren. „Wenn man anfängt zu kriegen, so fängt man an zu lügen“, lautet ein altes Sprichwort. Die verantwortlichen Politiker tun es und wollen es zugleich lügnerisch nicht eingestehen. Eine Ausnahme war einst ein Hiram Johnson, seines Zeichens Gouverneur von Kalifornien und Senator im US-Kongress. Er meinte auch, „das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“ Das ist jedoch schon lange her. Er wirkte von 1911 bis 1945 – Die Einsicht entsprang aber der Erfahrung von zwei Weltkriegen.

Die Sprichwörter sind es, die die Weisheit des Volkes fixieren; Weisheit geboren aus Erfahrung. Und die Erfahrung lehrt, „Krieg sät Krieg“ und „Krieg ist leichter angefangen als beendet“. Freilich gibt es auch Sprichwörter, die die Herrschenden unters Volk gestreut haben. Das taten schon die alten Römer: „Si vis pacem, para bellum.“ („Willst Du den Frieden, so bereite den Krieg vor“) und manche meinten gar, „Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Das waren aber die Oberen. Bert Brecht hingegen, der das Ohr am Volke hatte, sprach diesem Volk aus der Seele, als er feststellte: „Die Oberen sagen: Es geht in den Ruhm. Die Unteren sagen: Es geht ins Grab.“ Wie wahr, und deshalb „gibt es keine kriegslüsternen Völker; es gibt nur kriegslüsterne Führer.“ Allein schon für diese Erkenntnis, die ebenfalls nichts anderes in Worte kleidet, als was die Völker schon lange wissen, bekam der amerikanische Bürgerrechtler Ralph J. Bunke 1950 den Friedensnobelpreis zu Recht. Die große Mehrheit des deutschen Volkes will diesen Krieg in Afghanistan nicht. Aber Herr zu Guttenberg und die gesamte deutsche Regierung unter der Pastorentochter aus der DDR will von all‘ dem nichts wissen. Sie verirren sich in Sprachregelungen und semantischen Kunstkniffen und bestätigen doch nur das Volk, das da sagt, „Krieg hat viel Gaukelei“. Nein, die Schwerter werden nicht zu Pflugscharen geschmiedet, wie es einst die Kirche des Pastorentochtervaters der DDR empfahl, sondern noch mehr Schwerter werden in den Krieg gebracht. Als wollte man die Erkenntnis Karl Jaspers ad absurdum führen: „Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein Ausrotten durch Technik.“ Sie lehnen sich auf die Guttenbergs und Merkels, gegen das, was sie längst wissen müssten: Das „Ausrotten durch Technik“ verliert gegen den Kampf, wenn ihn das Volk unterstützt. Und je mehr Technik man einsetzt, umso mehr Volk geht in den Kampf. Die jugoslawischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg, das vietnamesische Volk seien zwei Beispiele für viele. Überlegene Waffen schaffen kein Recht. Nein, das Sprichwort stimmt: „Im Krieg schweigt das Recht“. Guttenberg aber will mit seinem Trick mit der Umgangssprache vertuschen, dass seine Waffen das Recht zum Schweigen gebracht haben. Es geht auch gar nicht um Recht. Es geht um Macht, z.B. über Ölstraßen. „Die Spekulation hat die Welt ruiniert und Krieg ist Spekulation“, meinte der Schweizer Schriftsteller John Knittel aus indischen und nordafrikanischen Erfahrungen im 20. Jahrhundert. „Krieg ist die Fortsetzung der Spekulation mit anderen Mitteln“, möchte man deshalb heute das Wort von Clausewitz abwandeln, der dies bezüglich der Politik feststellte. Aber was nun, Herr zu Guttenberg und Frau Merkel? „Krieg ist leichter angefangen als beendet“, haben wir schon gehört.  Vielleicht hilft ihnen in dieser Not Benjamin Franklin weiter: „Es gab noch nie einen guten Krieg oder einen schlechten Frieden.“  Das ist Klartext in verständlicher Umgangssprache.
(geschrieben für “Sachsens Linke”, Mai 2010)

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