Die Christdemokraten und Gottes Wort oder vom Salz der Erde
„Ich strafe meine Frau mit Gottes Worten sagte der Bauer und warf ihr die Bibel an den Kopf.“ So drastisch sollte man es auch hin und wieder mit Christdemokraten und Christsozialen in den deutschen Ländern treiben. Gerade in Sachsen tun sie sich immer wieder besonders hervor. Und schwört hierzulande ein Christdemokrat oder eine Christdemokratin, so vergessen sie nie den Zusatz „so wahr mir Gott helfe“. Mag ja sein, Gott versucht auch zu helfen. Sie lassen das aber nie zur Geltung kommen. Nun müssen sie das letztlich selbst mit ihrem Gott abmachen, aber es geht auch uns an. Wollen wir deshalb nicht gleich mit der Bibel herum schmeissen, wohl aber sollte man hin und wieder Worte des Evangeliums an der christdemokratischen Wirklichkeit in Sachsen messen.
„Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ Keine Angst, ich will jetzt nicht über sexuellen Missbrauch von Kindern in den christlichen Kirchen sprechen. Da haben wir in letzter Zeit zu viel Sündiges gehört und bei Matthäus 5, 29-30 kann man den Rat Jesu nachlesen, dass man sich eher das Auge ausreißen oder ein Glied abhacken sollte, als sich dadurch zum Bösen verführen zu lassen. Offensichtlich nehmen die sächsischen Christdemokraten und -demokratinnen das zitierte Wort aus dem Evangelium (vgl. z.B. Markus 10, 13-16) und seine Fortsetzung – „Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ – ganz wörtlich. Sie kürzen deshalb im Landeshaushalt dreist und drastisch gerade bei der Kinder- und Jugendhilfe – im Gottvertrauen, dass der Himmel helfen wird. Sie vergessen aber, dass viele Kinder damit um ihre Kindheit, um ihr Kind-Sein gebracht werden, weil sie ohne Hilfe nicht genug Ressourcen dafür vorfinden. Bringt man Kinder aber um ihr Kind-Sein, können sie nicht sein wie Kinder, also auch nicht in den Himmel kommen. Da spätestens wird der budgetäre Betrug an den Kindern auch ein unchristlicher. Kann aber sein, die wackeren und bibeltreuen Christdemokratinnen und -demokraten verlasse sich hier auf die Armut. Lesen wir doch schon ein kleines Stück weiter bei den Evangelisten, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ginge, als dass ein Reicher in den Himmel käme. Kinder in Armut zu lassen könnte also – die Bibel politisch wohlfeil ausgelegt – diesen Kindern das Himmelreich retten. Wie wollen aber solche Politiker und Politikerinnen bestehen, wenn sie vor dem Weltgericht stehen und daran gemessen werden, was sie den geringsten Ihrer Brüder getan, ob sie ihnen zu essen, zu trinken und Obdach gegeben (vgl. Matthäus 25, 31-46)? Jedenfalls sind sächsische Christdemokratinnen und -demokraten nicht bereit, dieses Wortes wegen, wie einst Martin von Tours, schon ihre Mäntel mit Bettlern zu teilen. Und sie könnten höchstens vorbringen, sie hätten die Seligpreisungen der Bergpredigt (vgl. Matthäus 5, 3-12) so verstanden, dass alle Sorge um die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, Hungernden, Dürstenden usw. ins Himmelreich delegiert sei – so wie für die Lilien auf dem Felde und die Vögel im Walde (vgl. Matthäus 6, 25-34). Sie könnten auch sagen, einer alten lateinischen Version der Bergpredigt und deren Übersetzung aufgesessen zu sein: „Beati pauperes spiritu“ – „Selig sind die Armen im Geiste“. Diese Seligkeit der Armen im Geiste – so könnten sie sagen – habe man wiederum wörtlich genommen und wollte sie gottgefällig mit einem Bruch des Tarifrechts bei Lehrerinnen und Lehrern und einer sozial selektiven Schule befördern.
Sie dünken sich als das Salz der Erde unsere Christdemokratinnen und Christdemokraten. Aber: „Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ (Matthäus 5, 13)
(Alle Bibel-Zitate nach der Einheitsübersetzung, Herder, Freiburg, Basel, Wien 1980)