Von verschiedenen Schwertern, Spießen, Pflugscharen und Sicheln. Oder: Was ist eigentlich Käß‘ Mann?
Da war einmal ein Land – nicht sehr groß – etwas im Osten gelegen, jedenfalls vom Westen aus gesehen. Viele Einwohner dieses Landes hatten Brüder und Schwestern im Westen und die glaubten an den gleichen Gott und beteten ihn auf die gleiche Art und Weise an. Dafür sorgte eine „Kirche“. Also eigentlich war es eine Vereinigung, deren Namen sich vom Wort mit der ursprünglichen Bedeutung „Haus, dem Herren gehörig“ oder kurz „Gotteshaus“ ableitete. Von dem Haus war prophezeit: „In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem Gottes Haus steht, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: ‚Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln!‘ Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Ländern. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“ (Micha 4,1 – 4) Darauf kann man sich wirklich freuen, weshalb die einen im Westen den anderen im Osten sagten, sie sollten doch ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Die Zeit wäre reif. Seid fortan keine Heiden mehr und lasst uns gemeinsam zum Berge des Herren gehen. Und die Kirche fand, dass das gut war – jedenfalls für das Land im Osten. Es war ja auch gar nicht so schlecht und fiel im Land im Osten auf fruchtbaren Boden. Das Land im Osten hatte nämlich einst mit dem Schmieden von Pflügen begonnen. Es hatte Landlosen Land gegeben und wollte ein Land der Bauern und Pflugschmiede werden. Eines Tages kam es aber auf die Idee, auch Schwerter zu brauchen. Dies zu erklären wäre eine lange und nicht wirklich schöne Geschichte. Die Schwerter, die das Land schließlich hatte, wollte es auch nicht mehr zu Pflugscharen machen, weil es dem Frieden nicht traute. Wer anderes wollte, wurde gemaßregelt. Freilich, Krieg hat das Land nie geführt – nie führen müssen – jedenfalls nicht unter Einsatz der heiß geschmiedeten Schwerter. Am Ende ging das Land unter. Zu erklären warum, wäre wieder eine lange Geschichte. Das Land käme auch hier nicht gut weg. Seine Schwerter aber wurden tatsächlich eingeschmolzen oder an fremde Länder verkauft. Dies schien gerechtfertigt, weil kein Krieg mehr zu drohen schien. Das Land verschwand im Westen – im Land der Brüder und Schwestern, in dem, wie auch prophezeit war, die Häupter der Stadt Recht sprechen und „nehmen dafür Geschenke an, ihre Priester lehren gegen Bezahlung. Ihre Propheten wahrsagen für Geld und doch berufen sie sich auf den Herrn und sagen: ‚Ist nicht Gott in unserer Mitte? Niemals kann Unheil über uns kommen!‘“ (Micha 3,1-12) Das hätte sein können, hätte dieses Land nicht Unheil über andere gebracht und seine Schwerter gebraucht. „Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.“ (Micha 4,5) Außerdem war ja prophezeit, dass die Heiden zurechtzuweisen seien, und sie, ja sie, ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden hätten. Doch als der Krieg in die Jahre kam und nicht zu gewinnen war, kam eine Bischöfin der Kirche und meinte, man sollte innehalten. Ja, man konnte sogar vermuten, sie dächte gar, die eigenen Schwerter könnten zu Pflugscharen werden und die Spieße zu Sicheln, so wie von den Brüdern und Schwestern einst im alten Osten verlangt. Da schallte es ihr aber kräftig entgegen aus einer Gut(t)en Berg Predigt: „Das ist doch Käß‘ Mann!“ Weshalb der es sagte, fortan Guttenberg hieß, und die es hörte, Käßmann. Die Schwerter aber blieben Schwerter und die Spieße Spieße – auf beiden Seiten. Offen blieb, wo der Berg sich befindet, auf dem Gottes Haus steht, und ob er tatsächlich fest steht und höher als alle Berge. Und die Völker liefen deshalb nicht herzu. Nicht zu den einen und nicht zu den anderen. Feigenbaum und Weinstock indessen, unter denen alle, so er ihnen gehört, leben könnten, werden verbrannt statt gepflegt.
A su a scheens G’schichtarl hob i no nia net g’hert. Des is oba pfundig!
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