Vatermord, Brudermord oder Hänsel und Gretel. Vom Lob der Doppelspitze!

2010 19 Januar
von Peter Porsch

Die Grundstruktur der Tragödie ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Da können sich zwei – zuvor oft sogar eng Verbundene – irgendwann und aus irgend einem Grund nicht mehr leiden. Es sind Männer, oft sogar Brüder oder Vater und Sohn. Mit Kain und Abel hat es begonnen, den Söhnen von Adam und Eva. Eigentlich ist die Sache noch älter. Luzifer, der Lichtträger, war einst ein Engel an der Seite Gottes. Beide sind in aller Überlieferung männlich gedacht. Luzifer wollte eines Tages die Autorität Gottes nicht mehr anerkennen. Er lehnte sich auf, konnte sich von Gott emanzipieren, wurde jedoch als Ausbund des Bösen in die Hölle verdammt und deren Fürst. Josef, den Träumer und Liebling des Vaters, wollten, wie im Alten Testament berichtet, seine Brüder aus dem Weg räumen. Ödipus, der von der Mutter zur Verhinderung der prophezeiten Tragödie dem Tode preisgegeben war, tatsächlich aber bei Pflegeeltern aufwuchs, erschlug seinen Vater im Streit, ohne zu wissen, dass es sein Vater war, und heiratete zu allem Überdruss noch dessen Frau, die eigene Mutter. Brutus half beim Mord an Caesar und wurde von diesem im Sterben erstaunt gefragt: „Auch Du mein Sohn Brutus?“ Franz und Karl Moor waren sich spinnefeind im Kampf um die Gunst des Vaters und das Erbe. Wie es ausging, kann bei Schiller nachgelesen werden. Grillparzer nimmt den Unterschied zwischen Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und seinem Bruder Mathias zur Grundlage eines Dramas – „Ein Bruderzwist in Habsburg“. Der Zauderer Rudolf verliert schließlich die Krone an den verwegeneren und risikobereiteren Bruder. Am Horizont dräut der Dreißigjährige Krieg. Seltener als Männer sind Frauen die Gegnerinnen im Konflikt – dann meist Stiefmutter und Stieftochter. Wir kennen Schneewittchen oder Aschenbrödel. Manchmal ist es auch die böse Fee, die den Tod eines Mädchens will, weil man ihre Eitelkeit verletzt hat. Dornröschen kann nur mehr gerettet werden um den Preis des hundertjährigen Schlafes. Und das gesamte Schloss schlief mit – stagnierte also 100 Jahre in seiner Entwicklung, allerdings um dann munter weiter zu machen, wo man aufgehört hatte.

Eines haben alle diese Geschichten gemein: Es stehen sich in der Auseinandersetzung Menschen gleichen Geschlechts gegenüber. Man kann auch sagen, Menschen, die sich nur hassen können und als Rivalen verstehen, weil sie sich gleichen und deshalb ins Gehege kommen. Intersexuell oder homosexuell gehen die Dinge viel besser aus. Da sind Unterschiede aufeinander bezogen und miteinander verbunden. Schwesterchen kümmert sich um Brüderchen, auch wenn es zeitweise nur ein Reh ist, und sorgt schließlich für seine Erlösung. Hänsel und Gretel halten zusammen bis zu ihrer Selbstbefreiung und dem Ende der Hexe. Der Prinz rettet immer die Prinzessin. Anderes ist nicht bekannt. Und der Sänger Blondel, der seinen Herren, König Richard Löwenherz, aus österreichischem Burgverlies befreite, war auch dessen Geliebter und hat ihn deshalb gesucht und wieder gefunden. Der böse Bruder des Königs aber, John Lackland, versuchte während dessen Abwesenheit, den Thron für sich zu erobern und sich der Getreuen Richards zu entledigen.

Daraus kann man doch etwas lernen: In den meisten Fällen buhlen Männer gegeneinander um die Macht, kommen irgendwann nicht mehr miteinander aus und die ewige Tragödie nimmt ihren Lauf. Frauen machen das seltener, aber nicht weniger folgenreich. Was spricht also dagegen, Macht immer gleichzeitig in die Hände von beiderlei Geschlecht zu geben? Nichts! Alles spricht aber für die Doppelspitze. Wir sollten sie uns auch in der LINKEN nicht nehmen lassen. Das folgt einer Menschheitserfahrung.

Ein Theater und seine Sprache oder vox populi vox Kronen-Zeitung vox populi.

2010 18 Januar
von Peter Porsch

1. Prolog

Wer, wie ich, in Wien unmittelbar nach dem letzten Weltkrieg zwischen Augarten und Wallensteinstraße aufgewachsen ist, weiß dass in dieser Gegend sehr viel Tschechisch und Slowakisch gesprochen wurde. Die alten Frauen im Beserlpark am Gaußplatz unterhielten sich in ihren Muttersprachen. Wenn sie Deutsch sprachen, merkte man vor allem an der Phonetik, dass dies höchstens ihre zweite Muttersprache sein konnte. Liebevoll nannte man dieses Idiom „Behmageln“, was eben auf den böhmischen bzw. slowakischen (für die deutschsprachigen Wienerinnen und Wiener gab es da keinen Unterschied) Grundton Bezug nahm. Die Mehrheit der Familiennamen der 14 Mietsparteien in unserem Haus reflektierten diese Situation: Pany, Schebella, Cerny, Godai, Skolnik, Schrom, Korinek, Schimek; Wasitzky war polnischen Ursprungs. In der Volksschule wurde erhoben, wer zu Hause deutsch sprach und wer eine andere Sprache. Das Ganze war so normal, wie etwas nur normal sein konnte. Es war der alten k.u.k. Monarchie geschuldet – ihrer ethnischen Vielfalt, ihren sozialen Verhältnissen und ihrer weitgehenden inneren Freizügigkeit. Viele Tschechoslowaken und Tschechoslowakinnen waren beim „Sokol“ landsmännisch organisiert. Relikte urwiener Überheblichkeit gegenüber „Zugereisten“ gab es wohl. Bei Rangkonflikten z.B. den Spruch „Zuerst der Weaner, dann der Behm.“ Angewandt wurde er aber bei jeder Art von Rang-Rangelei und war fast immer scherzhaft gemeint. Von einer Freundin meiner Großmutter, einer Heurigensängerin namens Matzke (eine tschechische Ableitung auf Matthias), hörte ich öfter ein Lied über die Fronleichnamsprozession, die eine große Hetz (ein großer Spaß) in Wien war, und darüber, wer dort immer hin kam: „der Pany, der Wosselack, der Zwickidack, der Pschisty und der Haderlack, der Jiritschek, der Gebranek und auch der Wenzel Zschiptschaptschek, der Woprehal, der Zapledal …“

2. Vorgeschichte

Wer sie ganz genau wissen will, sehe bei Wikipedia unter „Arigona Zogaj“ nach. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Mädchen, dessen Vater 2001 aus dem Kosovo illegal nach Österreich eingereist ist und trotz eines abgelehnten Asylantrags 2002 seine Frau und seine Kinder nachkommen ließ. Der Vater arbeitet und fällt mit seiner Familie niemandem zur Last . Die Kinder besuchen brav Schule bzw. Kindergarten. Sie sind im Heimatort beliebt, sprechen sehr gut Deutsch und gelten als integriert. Schließlich wird aber dennoch 2007 die Ausweisung vollzogen. Die Familie kommt in den Kososvo, nur Arigona entzieht sich der Ausweisung durch Verstecken. Eine unendliche, höchst tragische Geschichte beginnt: Es gibt Selbstmorddrohungen seitens Arigonas, ein Pfarrer outet sich als Verstecker und quasi Anwalt Arigonas vor der Öffentlichkeit. Arigona darf die Schule weiter besuchen. Geschwister kehren zeitweilig über Ungarn nach Österreich zurück usw. usw. Von einem Magazin wird Arigona, die weiter um ihren Aufenthalt kämpft 2009 zum „Mensch des Jahres” gewählt. Ihr Schicksal wird Gegenstand eines Theaterstückes von Franzobel:  „A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit“. Anfang Januar wurde eine weitere Dramatisierung der Geschichte durch Holger Schober unter dem Titel „Heimat.com“ in Heilbronn uraufgeführt.

3. Eine Meldung und die Kommentare

Eine, nimmt man den blanken Text und entkleidet man ihn seiner Intertextualität (der Beeinflussung seines Verständnisses durch bereits bekannte frühere Texte), sehr neutral gehaltene Meldung auf der Internetseite „krone.at“ informiert am 06.01.10 über die Uraufführung, verweist auf die bereits vorhandene Dramatisierung und erinnert in zwei Sätzen an die realen Begebenheiten rund um Arigona. Außerdem wird darüber informiert, dass auch in Deutschland 14.000 Kosovaren von der Abschiebung bedroht wären, Europarat und Vereinte Nationen allerdings der Meinung seien, dass eine Rückkehr dieser Menschen in Sicherheit und Würde nicht möglich sei.

Stellt man für diese Meldung die Intertextualität her – und alle Kommentatorinnen und Kommentatoren im Netz haben dies offensichtlich getan – so stößt man auf einen sehr emotional ausgetragenen Streit um das Schicksal der Familie, um die Rechtmäßigkeit der Abschiebung und mehr noch um deren Angemessenheit. Verquickt ist dieser Streit mit den Konflikten konträrer Einschätzungen der Situation und Motive der Asylbewerber. Es geht um „Menschen in Not“ versus „Schmarotzer am österreichischen Wohlstand“. Die Kronen-Zeitung ist dabei hauptsächliche Plattform der Vertreterinnen und Vertreter der zweiten Wertung. Die Kommentare zur gegenständlichen Meldung sind quantitativ und qualitativ Indiz dafür. Sprachlich spiegeln sich die Einstellungen der Kommentierenden zu Asylbewerberinnen und -bewerbern generell, zur Familie Zogaj, zu Arigona und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern im Besonderen und zur Dramatisierung in Deutschland im aktuellen Fall. In einer Nebenlinie wird auch mehrmals noch (durchgängig negativ wertend) auf das Schicksal von Natascha Kampusch Bezug genommen, die, als Kind entführt, acht Jahre in Gefangenschaft gehalten wurde. Der Bezug wird immerhin fünf Mal hergestellt (z.B. „hauts eich auf a packal“, „gemeinsam im keller einsperren“) immer mit verächtlich machender Wertung und insgesamt mit Zustimmung von 157 Leserinnen und Lesern.

Untersucht habe ich 59 Kommentare, die am 06.01.10 zwischen 16:51 Uhr und 18:33 Uhr abgegeben wurden. Bei den Kommentaren wird immer die Zahl der Zustimmungen durch Leserinnen und Leser genannt. Ich füge diese ebenfalls hinzu. Man kann aber nicht erkennen, wie viele verschiedene Leserinnen und Leser hinter den jeweiligen Kommentaren stehen. Wenn ich zitiere, behalte ich die Originalorthographie bei.

Die gesamte Asylproblematik, die in Österreich wesentlich von der negativen Haltung der rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ zu illegal eingereisten Ausländerinnen und Ausländern sowie Asylantinnen und Asylanten geprägt ist, wird z.B. als „Wahnsinn“ bezeichnet (einmal schließen sich 17 Leserinnen und Leser dieser Wertung an und einmal 46), mit dem „Schluss“ gemacht werden müsse (eine Meinung, der sich 46 Leserinnen und Leser anschließen). „Diese Ausländer führen sich auf, als ob sie bei uns zu Hause wären!!!!!“ wird in einem Kommentar gesagt (21 Leserinnen und Leser machen sich dies zu eigen). Das Theaterstück könnte in Deutschland die Ansicht stützen, in Österreich wäre es sehr einfach, illegal leben zu können und die Behörden lächerlich zu machen. Das könnte dazu führen „dass wir demnächst wort-wörtlich überrannt werden. den dise stück wird beispielgebend sein.“ (dazu gibt es 16 Zustimmungen). Andererseits wird die Premiere des Stücks in Heilbronn zum Anlass und Argument genommen, Arigona mit ihrer Familie doch nach Deutschland abzuschieben oder auf Welttournee zu schicken. In sieben Kommentaren kommt dies zum Ausdruck (281 Leserinnen und Leser unterstützen dies). Allein dem Kommentar „Bitte die Arigona nach Deutschland schicken und lasst sie und ihre Familie an dem Theaterstück mitverdienen – dann sind wir sie los und die Diskussion hätte endlich ein Ende!!!“ schließen sich 104 Leserinnen und Leser an. Das angesprochene Theaterstück wird auch als Provokation des Volkes verstanden (einmal 22 Zustimmungen und einmal 4). „Solche ,Theaterstücke‘ werden von Nestbeschmutzern gemacht“ (14 Zustimmungen). Der Empfehlung, dass Österreich bei falscher Darstellung der Sachverhalte im Stück klagen sollte („wegen unwahrheit, verhöhnung österreichs usw. alles was man da klagen kann“) schließen sich 26 Leserinnen und Leser an. Der Darstellung der Welt auf dem Theater wird mit dem „Fall Arigona“ die Welt als Theater oder auch „Kasperletheater“ (79 Zustimmungen) gegenübergestellt. „,Unsere neuen Super Stars‘ – Arigona u. Natascha! Applaus“ gefällt 82 Leserinnen und Lesern. Für „na bei uns in österreich is das schon längst a theater“ können sich 31 Leserinnen und Leser erwämen. In einem Kommentar wird gefragt, „Kommt nach Hollywood und Bollywood jetzt Kosowood ??????“ und 42 Leserinnen und Leser würden die gleiche Frage stellen. Dass die Vorgänge um Arigona eine „schmierenkomödie“ und „wohl ein geschmackloser witz“ seien, sehen 46 andere ebenso. Die Akteure der realen Vorgänge seien „besser als jeder gelernte Schauspieler, sonst könntens uns ja nicht so ein Theater vorspielen und das über Jahre hinweg“ findet die Zustimmung von 21 Personen. „Theaterstück“ sei sehr treffend, denn die “show die da abgezogen wurde entsprach einem theater. allerdings einem schlechten“ wird 12 mal unterstützt.

Vergleiche dazu DUDEN Deutsches Universalwörterbuch:

Theater: … (ugs. abwertend) Unruhe, Verwirrung, Aufregung, als unecht oder übertrieben empfundenes Tun …

Als „Mensch des Jahres“ wird Arigona in einem Kommentar als „schmarotzerin“ ironisch den „einheimischen frauen“ gegenübergestellt, die – wiederum ironisch – nichts leisten. Es ist aber Arigonas Generation, die „gar nicht ans arbeiten denkt oder noch weniger daran gewöhnt ist? aber andersrum. warum soll man etwas leisten, wenn man alles geschenkt bekommt“ (9 Leserinnen und Leser sind auch dieser Meinung). Was das Arbeiten betrifft war allerdings Arigona mit ihrer Familie sehr vielmehr das Beispiel für das Gegenteil von dem, was hier behauptet wird.

Die zitierten Beispiele und andere zeigen ausreichend, Leserinnen und Leser von „krone.at“ und die dazu gehörigen Kommentare artikulieren in großer Mehrheit ihre ablehnende Distanz zu differenziertem Umgang mit Asylbewerberinnen und -bewerbern. „Abschieben“, „heimschleichen“, „abstrafen“, „Schluss machen mit dem Wahnsinn“, „nach Deutschland holen“ sind die Empfehlungen. „… im Wohnhaus sind mehr Immigranten als Einheimische …“, wird böse festgestellt. Langwierige Prozeduren werden als „Theater“ auf Kosten der Steuerzahler empfunden. Könnte man dies alles noch als zwar wenig sachliche, gefährlich verkürzende, schablonenhafte, sprachlich manchmal deftige, dennoch aber legitime Meinungsäußerung verstehen, so entlarven die direkten Bezeichnungen für Arigona und ihre Familie bzw. Asylbewerberinnen und -bewerber überhaupt den inhumanen, intoleranten, z.T fachistoiden Meinungssumpf, aus dem unerträgliche Sprachblasen aufsteigen: Immerhin 31 Leserinnen und Leser meinen, man könne von „Arigona und ihre Muschpoke“ sprechen, von „dem Kaliber“, von dem man hier genug hätte. Mit der Benennung „Schmarotzerin“ stimmen 14 Personen überein (die „schmarotzt“ dann natürlich, was 27 andere genau so sehen), 20 freuen sich über „kosovarisches Gsiachtl“, ebenso 20 über „grinsende Kosovoabzockergesindel“. „Illegal eingereiste arbeitsscheugesindel“ stimmen 24 Leserinnen und Leser zu. „Pack“ hören 22 Personen offensichtlich gerne, 21Leserinnen und Leser bekräftigen „illegal eingereiste Gesetzesbrecher“ und 12 halten diese für „Gesocks“. Zweimal wird auch einfach von „Familie“ gesprochen, allerdings auch in negative wertenden Kontexten. Der Arigona schützende Pfarrer, ist übrigens der „pfarrer, der ihr am hintern gafft“  (36 Leserinnen und Leser sehen das genau so).

Der Genauigkeit halber seien hier wieder die jeweils zutreffenden Bedeutungsdefinitionen aus dem „DUDEN  Deutsches Universalwörterbuch eingefügt:

Mischpoke: ..,. üble Gesellschaft, Gruppe von unangenehmen Leuten …

Kaliber: … (ugs. häufig abwertend) Art, Sorte: ein Verbrecher tollsten  -s …

schmarotzen: … (abwertend): faul auf Kosten anderer leben …

Gesindel: … (abwertend): Gruppe von Menschen, die als asozial, verbrecherisch o.ä. verachtet, abgelehnt wird …

Pack: … (salopp abwertend): Gruppe von Menschen, die als asozial, verkommen o.Ä. verachtet, abgelehnt wird …

Gegenpositionen oder wenigstens abmildernde Äußerungen findet man kaum: Höchstens vier Kommentare erfüllen diese Qualifikation, z.T. auch nur bedingt, insgesamt 28 Leserinnen und Leser schließen sich dem an. Das sind im Urteil der Übrigen jedoch die „gutmenschen“, die sich „wirklich bis zum rand der erschöpfung papierln“ lassen (12 Zustimmungen).

4. Epilog

Am 17.01.2010 schreibt die Kronen Zeitung eine zweiseitige Titelgeschichte zu Thomas Vanek. Dieser Mann ist ein erfolgreicher österreichische Eishockeyspieler in der nordamerikanischen NHL und entscheidender Leistungsträger in der österreichischen Eishockey-Nationalmannschaft. Geboren wurde er 1984 in Baden bei Wien als Sohn eines zwei Jahre zuvor emigrierten tschechisch-slowakischen Ehepaares. „Da hat das Schicksal seien Weichen gestellt: Als seine Eltern auf der Flucht nach Österreich nicht aufgaben. Als sich die Mutter auf die Kühlerhaube setzte, mit den Händen an die Scheibenwischer geklammert, weil das armselige Auto die Passhöhe sonst nicht derschnauft hätte. Als ein Grenzmann die kleine Familie im Urlauber-Stau durchließ. Sie waren aus dem Osten geflohen, um über Österreich das Glück in Amerika zu suchen. Sie landeten in Traiskirchen … Der Vater ein willkommener Eishockey-Spieler und Trainer. … Sportler des Jahres war Thomas Vanek eh schon. Als Mensch des Jahres könnte seine Vorbildwirkung noch vertieft werden.“ (Kronen-Zeitung, 17.01.10, S. 12f.)

5. Schlussfolgerung

  1. Die Sprache entlarvt ziemlich einfache und deshalb um so gefährlichere geistige Strickmuster.
  2. Die Kronen-Zeitung legitimiert ihre oft direkte, feindselige Sprache im Zusammenhang mit Ausländerinnen und Ausländern durch die Sprache ihrer Leserinnen und Leser.
  3. Die Leserinnen und Leser legitimieren ihre Sprach-Gewalt aus der Berichterstattung der Kronen-Zeitung selbst, die sprachlich zwar meist sanfter formuliert, der Sprach-Gewalt der Leserinnen und Leser aber öffentlichen Raum und freien Lauf gibt.
  4. Es gibt Unterschiede zwischen illegaler Einreise und illegaler Einreise.

4.1. Sie wurde immer begrüsst, so lange sie aus den alten Ostblockstaaten heraus führte.

4.2. Sie wird begrüsst, wenn sie sportliche Erfolge bringt.

4.3. Elend und Gefahr für Leib und Leben im Herkunftsland allein und einfache Arbeit und

Schulerfolg gelten nicht als Legitimation.

4.4.Es gibt also Menschen verschiedenen Werts. Dieser Wert misst sich am Nutzen für

Österreich und nicht an allgemeiner Menschlichkeit und Menschenrechten.

5.Wer keinen Nutzen bringt, bringt Schaden, wird als asozial und kriminell denunziert.

Manches setzt eben dem Fass die Krone auf!


Helft Haiti

2010 15 Januar
von Peter Porsch

Datum: Thu, 14 Jan 2010
Von: “Luis Morago – Avaaz.org”
An: “WLambrecht@gmx.at” ……leitet weiter…….
Betreff: Solidarität mit Haiti

Liebe Freundinnen und Freunde!

Das schwerste Erdbeben seit 200 Jahren hat Haiti erschüttert. Die
Hauptstadt ist verwüstet, Zehntausende sind umgekommen, und die Lage
bedroht über drei Millionen Einwohner des geplagten Inselstaates.

Die Haitianer appellieren an die Welt um Hilfe. Wir sind bereits im Kon-
takt mit starken lokalen Organisationen,die Soforthilfe in den betroffenen
Gemeinden organisieren. Lasst uns eine weltweite Spendenwelle an die
vorderste Front anrollen, um Leben zu retten und den Menschen beim
Wiederaufbau zu helfen. Avaaz arbeitet mit Partnern um sicherzustellen,
dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am meisten benötigt. Spenden
Sie hier:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Aufgrund von verschieden Gutachten von führenden humanitären NGO’s, die
seit mehr als 30 Jahren in Haiti arbeiten, werden wir vertrauenswürdige
lokale Organisationen unterstützen, darunter:

- Ehre und Respekt für Bel Air, ein großes lokales Netzwerk in Haitis
Hauptstadt Port-au-Prince, das auch durch unsere Freunde, der angesehenen
brasilianischen NGO Viva Rio, unterstützt wird
– Coordination Régionale des Organisations de Sud-Est (CROSE), die
einige der aktivsten lokalen Gruppen im Süden von Haiti, der am
schlimmsten betroffenen Region. Zu diesen Gruppen gehören: Frauengruppen,
Schulen und lokale Genossenschaften.
Im Jahr 2008 haben Avaaz-Mitglieder über 2 Millionen Dollar für die
burmesischen Mönche gespendet, um auf den verheerenden Wirbelsturm Nargis
zu reagieren. Unser Geld machte einen großen Unterschied – denn es ging
direkt an die lokale Bevölkerung an vorderster Front.

Solch verheerende Naturkatastrophen bringen das Beste in uns z.Vorschein,
indem Menschen zusammenfinden. Zeigen wir nun Solidarität mit den
Menschen in Haiti und helfen wir ihnen, diese Katastrophe zu bewältigen —
Handeln Sie bitte jetzt:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Mit Hoffnung für Haiti,

Luis, Paul, Graziela, Paula, Ricken, Pascal, Alice, Benjamin, Julius,
Milena und das ganze Avaaz-Team

Mehr Information:

Erdbeben in Haiti:

http://www.spiegel.de/thema/erdbeben_in_haiti/

Haitis Regierung befürchtet Zehntausende Tote:

http://www.ftd.de/politik/international/:erdbeben-in-der-karibik-haitis-regierung-befuerchtet-zehntausende-tote/50059636.html

Haiti-Erdbebenhilfe läuft nur schleppend an:

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5125954,00.html

Hintergrund: Haiti, ein geschundenes Land:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,671837,00.html

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finanziert und akzeptiert kein Geld von Regierungen oder Konzernen. Unser
engagiertes Online-Team sorgt dafür, dass selbst die kleinsten Beträge
effizient eingesetzt werden — Spenden Sie hier.
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ÜBER AVAAZ

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internationale Kampagnen organisiert und sicherstellt, dass die Meinungen
und Wertvorstellungen der Weltöffentlichkeit globale Entscheidungen
mitbestimmen (Avaaz bedeutet “Stimme” in vielen Sprachen). Avaaz akzeptiert
kein Geld von Regierungen oder Konzernen und wird von einem internationalen
Kampagnenteam betreut. Avaaz betreibt Büros in New York, Washington,
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Von verschiedenen Schwertern, Spießen, Pflugscharen und Sicheln. Oder: Was ist eigentlich Käß‘ Mann?

2010 12 Januar
von Peter Porsch

Da war einmal ein Land – nicht sehr groß – etwas im Osten gelegen, jedenfalls vom Westen aus gesehen. Viele Einwohner dieses Landes hatten Brüder und Schwestern im Westen und die glaubten an den gleichen Gott und beteten ihn auf die gleiche Art und Weise an. Dafür sorgte eine „Kirche“. Also eigentlich war es eine Vereinigung, deren Namen sich vom Wort mit der ursprünglichen Bedeutung „Haus, dem Herren gehörig“ oder kurz „Gotteshaus“ ableitete. Von dem Haus war prophezeit: „In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem Gottes Haus steht, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben. Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: ‚Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln!‘ Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Ländern. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“ (Micha 4,1 – 4) Darauf kann man sich wirklich freuen, weshalb die einen im Westen den anderen im Osten sagten, sie sollten doch ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Die Zeit wäre reif. Seid fortan keine Heiden mehr und lasst uns gemeinsam zum Berge des Herren gehen. Und die Kirche fand, dass das gut war – jedenfalls für das Land im Osten. Es war ja auch gar nicht so schlecht und fiel im Land im Osten auf fruchtbaren Boden. Das Land im Osten hatte nämlich einst mit dem Schmieden von Pflügen begonnen. Es hatte Landlosen Land gegeben und wollte ein Land der Bauern und Pflugschmiede werden. Eines Tages kam es aber auf die Idee, auch Schwerter zu brauchen. Dies zu erklären wäre eine lange und nicht wirklich schöne Geschichte. Die Schwerter, die das Land schließlich hatte, wollte es auch nicht mehr zu Pflugscharen machen, weil es dem Frieden nicht traute. Wer anderes wollte, wurde gemaßregelt. Freilich, Krieg hat das Land nie geführt – nie führen müssen – jedenfalls nicht unter Einsatz der heiß geschmiedeten Schwerter. Am Ende ging das Land unter. Zu erklären warum, wäre wieder eine lange Geschichte. Das Land käme auch hier nicht gut weg. Seine Schwerter aber wurden tatsächlich eingeschmolzen oder an fremde Länder verkauft. Dies schien gerechtfertigt, weil kein Krieg mehr zu drohen schien. Das Land verschwand im Westen – im Land der Brüder und Schwestern, in dem, wie auch prophezeit war, die Häupter der Stadt Recht sprechen und „nehmen dafür Geschenke an, ihre Priester lehren gegen Bezahlung. Ihre Propheten wahrsagen für Geld und doch berufen sie sich auf den Herrn und sagen: ‚Ist nicht Gott in unserer Mitte? Niemals kann Unheil über uns kommen!‘“ (Micha 3,1-12) Das hätte sein können, hätte dieses Land nicht Unheil über andere gebracht und seine Schwerter gebraucht. „Denn alle Völker gehen ihren Weg, jedes ruft den Namen seines Gottes an; wir aber gehen unseren Weg im Namen Jahwes, unseres Gottes, für immer und ewig.“ (Micha 4,5) Außerdem war ja prophezeit, dass die Heiden zurechtzuweisen seien, und sie, ja sie, ihre Schwerter zu Pflugscharen zu schmieden hätten. Doch als der Krieg in die Jahre kam und nicht zu gewinnen war, kam eine Bischöfin der Kirche und meinte, man sollte innehalten. Ja, man konnte sogar vermuten, sie dächte gar, die eigenen Schwerter könnten zu Pflugscharen werden und die Spieße zu Sicheln, so wie von den Brüdern und Schwestern einst im alten Osten verlangt. Da schallte es ihr aber kräftig entgegen aus einer Gut(t)en Berg Predigt: „Das ist doch Käß‘ Mann!“ Weshalb der es sagte, fortan Guttenberg hieß, und die es hörte, Käßmann. Die Schwerter aber blieben Schwerter und die Spieße Spieße – auf beiden Seiten. Offen blieb, wo der Berg sich befindet, auf dem Gottes Haus steht, und ob er tatsächlich fest steht und höher als alle Berge. Und die Völker liefen deshalb nicht herzu. Nicht zu den einen und nicht zu den anderen. Feigenbaum und Weinstock indessen, unter denen alle, so er ihnen gehört, leben könnten, werden verbrannt statt gepflegt.

Erlaubt – Verboten?! – Der alltägliche Wahnsinn der Vermischung von Sein und Sollen oder Recht und Macht.

2009 30 Dezember
von Peter Porsch
“Erlaubt” “Verboten”
Luftverschmutzung Rauchen in Kneipen
Kirchtürme (auch in Afrika und Asien) Minarette (Schweiz, Kärnten …)
Abendland in Christenhand (FPÖ) Morgenland in Islamhand
Nonnenschleier in Schulen Kopftücher in Schulen
Mörder Soldaten
Pornographie Burka (demnächst)
Demos (überall) Demos (überall)
Bomben (nach staatlichem Bedarf überall) Sylvesterknaller (z.B. Österreich)
religiöse Werbung atheistische Werbung
Rechtsverkehr Rechtsverkehr (z.B. England)
Linksverkehr (z.B. Deutschland) Linksverkehr
DDR-Vergangenheit (z.B. Tillich, Merkel) DDR-Vergangenheit (linke PolitikerInnen)
Bagatellisieren derselben (s.o.) Bagatellisieren derselben (s.o.)
Beschiss von WählerInnen WC-Benutzung im Flugzeug (demnächst)
Videoüberwachung gebührenfreier Rundfunkempfang
Alkohol Haschisch
Mission (christl. Kirchen) selbstbestimmte Religionsausübung
selbstbestimmte Sexualität selbstbestimmte Sexualität
Delogierung/Exmittierung Hausbesetzung
Banker-Boni Bagatelldiebstähle
Adoption in Hetero-Beziehung Adoption in Homo-Beziehung
Mauer (in Nahost) Mauer
Ausreise Einreise
Einreise Ausreise
Lebensmittel vernichten entsorgte Lebensmittel genießen
……….. …………..

Ich bitte um Ergänzung!

Vom Klima beim Klimagipfel, Käfigen und großen Tieren.

2009 16 Dezember
von Peter Porsch

Als Kinder haben wir gesungen: „… der Frühling bringt Blumen, der Sommer bringt Klee, der Herbst, der bringt Trauben, der Winter bringt Schnee.“  Angeblich hat die Anzahl „weißer Weihnachten“ seit den letzten 50 Jahren rapide abgenommen. Das freut bestimmt das Transportwesen, entlastet die Industrie, erspart klammen Kommunalkassen die Schneeräumung. Die Frühlinge sind jetzt eher kurz in unseren Breiten. Na und? Blumen holen wir aus dem Gewächshaus. Der Herbst wird eher lang und sonnig – auch schön, für Städteflugreisen und sogar für die Trauben! Die Sommer freilich bedrängen den Klee vor allem durch Unwetter und Hochwasser. Afrika stöhnt unter der Dürre oder hat schon keine Kraft mehr dazu. Inselvölker wandern aus. China und die USA dagegen sehen alles immer noch vorrangig betriebswirtschaftlich. Und was bringt ein Klimagipfel? Vor allem Hunderttausende, die Kopenhagen ansteuerten, darunter über 120 Staatschefs, aber noch sehr viel mehr Menschen, die sich echte Sorgen machen um das Klima und dies auch zum Ausdruck bringen wollten – hörbar, sichtbar und auch spürbar. Ich weiß nicht genau, wann das Wort „Klima“ mit seiner heutigen Bedeutung in den verschiedenen Sprachen auftauchte. Wer dafür verantwortlich war, muss Weitsicht mit Pessimismus in genialer Weise verbunden haben. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutete dort „Abhang“, „geneigte Fläche“. Und dass das Klima den Abhang runter zu gehen droht, wird kaum wer leugnen können. Die griechische Wurzel ist uns auch noch gegenwärtig im Wort „Klinik“ und meint dort das „Sich-zum-Kranken-neigen“ bzw. einfach „das Bett“. Dass sich in Kopenhagen viele über das Krankenbett des Klimas neigten, ist wohl auch nicht zu bestreiten. Eben so wenig jedoch auch, dass Diagnose, Therapie und Ansichten über die Schwere der Krankheit und die Heilungschancen sehr weit auseinandergehen. Der Tod allerdings ist umso sicherer, je weniger sich die Ärzte einig sind. Viele Ärzte hatten wohl nur ihr eigenes Wohl und nicht das des Patienten im Sinn. Ihre Frage war, wie lange kann man zum eigenen Gewinn eigentlich den Patienten noch quälen? Es entstand ein merkwürdiges Klima im Streit um das Klima. Die zwei Bedeutungen von „Klima“ sind im DUDEN-Universalwörterbuch verzeichnet. Einmal ist es der „typische jährliche Ablauf von Witterung“, zum anderen ist es eine „durch besondere Ereignisse oder Umstände hervorgerufene Atmosphäre … zwischen Personen, Gruppen, Staaten“. Was die Klimaproblematik betrifft ist das DUDEN-Universalwörterbuch bereits seit langem  komplett. Es verzeichnet  „Klimaänderung“, Klimaverschlechterungl“ und schließlich „Klimakatastrophe“. Was das Vorgehen gegen Demonstrantinnen und Demonstranten durch die dänische Polizei betrifft, ist dieses Wörterbuch aber überhaupt nicht auf der Höhe der Zeit. Der „Gast“(?)-Geber sperrte den Protest, wenn es ihm passte, einfach in Käfige – nur auf Grund von Verdacht: Ein merkwürdiges Klima, ja eine eigene Klimakatastrophe für demokratische Einmischung in die eigenen Angelegenheiten. Zum „Käfig“ aber steht im DUDEN-Universalwörterbuch: „Raum für gefangen gehaltene größere Tiere, dessen Wände aus Gitterstäben, Drahtgitter o.Ä. bestehen.“ Käfige sind im Sinne bisheriger Wortbedeutung also „größeren Tieren“ vorenthalten. So gesehen hätten nicht Demonstrantinnen und Demonstranten hinein gehört, sondern, wenn überhaupt Menschen, die angereisten Politikerinnen und Politiker. Denn man findet im Wörterbuch auch „ein hohes/großes Tier“. Das ist „eine Person von großem Ansehen, hohem Rang“. Mag das mit dem „großen Ansehen“ im gegebenen Fall schon so eine zweifelhafte Sache sein, von hohem Rang waren sie allemal die „großen Tiere“.

Der Senner und das Minarett in der Schweiz, in der Schweiz, in der Schweiz …

2009 30 November
von Peter Porsch

In der Schweiz da stand ein Minarett.

Sein Anblick war im Grund ganz nett.

Der Sennerin gefiel das auch,

der Senner kratzt sich seinen Bauch.

Was sieht die Sennerin hier steh‘n?

Was mag ihr nur im Kopf rum geh‘n?

Ein Kirchturm ist es nämlich nicht,

so schlank und spitz im Abendlicht!

Im Abendlicht, so spitz und schlank?

Dem Senner wird es ziemlich bang.

Woran er denkt, dran denkt man nicht,

wenn mal ein Minarett in Sicht.

Drum lässt er es verbieten -

Übrigens:

Im Bett war er ne Nieten!

(29.11.09)

Wählen in der Linken oder der Naschmarkt von Burgstädt.

2009 21 November
von Peter Porsch

In Wien gibt es einen Naschmarkt. Ich war da unlängst. Auf dem Naschmarkt geht es zu, wie auf jedem Bauern- und Wochenmarkt – nur etwas größer und lauter, bunter, vielfältiger und den Besucher überrumpelnd bis an die Grenze der Hilflosigkeit. Es gibt ein überwältigendes Angebot. Die Ware wird lauthals angepriesen. Da gibt es nichts Schlechtes, nur Prächtiges, Nahrhaftes, Frisches. Nimmt man alles ernst, was so präsentiert und mit überschwänglich lobenden Worten ausgerufen wird, so müsste man eigentlich den ganzen Markt, mit allem, was er zu bieten hat, aufkaufen. Freilich macht da der Geldbeutel nicht mit und noch weniger die eigene Genussfähigkeit. Von all‘ den Tonnen herrlichster Speise und den Hektolitern paradiesischenTranks sind vernünftiger Weise nur halbe, maximal ganze Kilo und halbe vielleicht ganze oder doppelte Liter vernünftig auszuwählen und heim zu nehmen. Und die Lust, der Appetit, der Durst und Hunger können noch so groß, die Verlockungen noch so appetitlich und süß, die Werbung verführerischer nicht sein, wenn der Beutel voll ist, geht nichts mehr und das Gute muss liegen bleiben. Dass da aber jemand mal rät, was man besser liegen lassen sollte, dass da jemand einen Hinweis gibt, dass etwas vielleicht nicht so ganz das hält, was es und seine Anbieter versprechen, dass jemand kritische Fragen stellt, die ernsthaft und wahrhaft beantwortet werden, das kennt das Marktgeschehen nicht. Nun, Kostproben sind möglich. Die Angebote sprechen sozusagen für sich selbst, natürlich in ihrer ganzen hervorgehobenen Köstlichkeit. Wer schmeckt da schon Nachteile, wenn die ganze Umgebung nur Vorteile kennt?
Und nun erlaube ich mir einen Vergleich: Ich war unlängst auch in Burgstädt bei Chemnitz. Da war ein Parteitag der Partei Die LINKE. Da wurde angeboten und ausgewählt. Für ein üppiges Mahl mit vielen Gängen: Landesvorstand, Revisionskommissionen, Bundeskommissionen usw. usw. Das Angebot war mehr als üppig. Man konnte sich wirklich freuen darüber und der Anbieter waren auch nicht wenige. Sie lobten, was es nur zu loben gab – überschwänglich, eindringlich, natürlich nie aufdringlich, aber mit Überzeugung von der Qualität des oder der zu Lobenden. Die ganze wuchernde Kraft von Kompetenz in der Partei und ihrer Mitglieder wurde sichtbar, ja, spürbar, mit allen Sinnen wahrnehmbar. Da kommt Freude auf und Lust, alle für die Partei heran zu holen. Gerade dies ließ aber mehr und mehr auch eine Erinnerung keimen, eine Erinnerung, die sich immer stärker ins Gemüt schlich, die nicht mehr los zu werden war. Eine Erinnerung an Zeiten, wo man dem Angebot noch nicht so vertrauen konnte, auch nicht auf so viel Fürsprache stieß. Ganz früher, ganz am Anfang, da fragten Vorsichtige noch danach, ob denn da auch irgendwo was bemängelt werden könnte, ob das, was versprochen wurde, auch über längere Zeit und unter ungünstigen Umständen einzuhalten gelingen konnte. Da wurde nachgefragt, nach Eigenschaften und Plänen. Und man konnte sich ein Bild machen von Möglichkeiten und Grenzen, von erfüllbarer Hoffnung und vielleicht nötiger Hilfe, von erwartbaren Stärken und Schwächen. Solche Fragen gab es am Naschmarkt von Burgstädt nicht. Die Kostproben wirkten in ihrer ganzen Herrlichkeit, überlegt zurecht gemacht – zwingend überzeugend. Und indem ich wacker und überwältigt mitmachte, keinem Angebot das Lob ausschlug, wenn man es denn zu brauchen schien, begann mich eine Frage zu quälen: Sind wir wirklich so gut geworden oder ist uns nur ein nützlicher Brauch abhanden gekommen?
(geschrieben für “Sachsens Linke” – Dezember 2009

Vom Stolperer eines Selbstgerechten.

2009 28 Oktober
von Peter Porsch

Da hat es schon einer bemerkt.wesjohan - tweetIch habe im vorigen Blog schon im ersten Satz von “unserer Partei” gesprochen und die SED gemeint. Ganz bewusst übrigens und nicht einer Freud’schen Fehlleistung wegen. Das lässt den Kritiker drüber stolpern, um sich dann zu erheben – über mich/über uns. Das genügt ihm, zu unterstellen, ich/wir wären noch die Alten. Das genügt ihm, um froh zu sein, nach einem Jahr bei uns wieder ausgetreten zu sein. Das Lesen war wohl nie sein Fach gewesen, jedenfalls nicht das Weiterlesen, wenn doch das Vorurteil schon bestätigt zu sein scheint. Nun gut, wir haben vor 20 Jahren die SED nicht aufgelöst, wir haben sie vielmehr radikal verändert – wegen der alten Ideale und der neuen Träume und der Ehrlichkeit wegen. Wir verleugnen nicht unsere Herkunft und nicht unsere Ziele und nicht unsere Probleme auf dem Weg dahin. Wir haben eine Geschichte und jeder und jede von uns hat eine Biographie von seinem und ihrem eigenen Anfang bis heute und weiter und weiter. Wir haben gelernt, nicht alles zu wissen, wir haben aber auch gelernt, zu uns selbst zu stehen. Und deshalb gibt es bei uns Junge und Alte und solche, für die auch die SED ihre Partei gewesen sein muss, und solche, die von dieser Partei kaum noch etwas wissen oder jemals wissen wollten.

Von Kampfreserven und Jugendbrigaden oder sag‘ mir, wo die Flügel sind!

2009 28 Oktober
von Peter Porsch

Einst hatte unsere Partei eine Kampfreserve. Das war die FDJ und das war angeblich gut so. FDJ-Chef Honecker beerbte deshalb den alten Ulbricht und FDJ-Chef Krenz folgte auf Honecker. FDJ-Chef Aurich jedoch kam nicht mehr zum Zug. Es war schon alles vorbei. Ulbricht musste man ein wenig weg beißen, Honecker unsanft beiseite schieben, Krenz fiel ins Bodenlose und da war eben auch für Aurich kein Halt mehr. Doch Kampfreserve waren sie einst alle – sie waren irgendwie einer wie der andere. Das bringt offensichtlich nicht weiter, sondern programmiert vielmehr das Ausscheiden aus der Geschichte. Die Partei aber konnte sich im freien Fall fangen. Nicht die ganze. Da war zu viel Ballast. Da war ein Panzer, der abzusprengen war. Und siehe da, es kamen Flügel zum Vorschein und wir konnten fliegen. Die Flügel trugen die alten Ideale und die neuen Träume. Sie waren dennoch nicht einfach das Junge und nicht einfach das Alte. Sie befanden sich nicht nur nebeneinander, sondern oft einander gegenüber und dennoch sicherte ihr Flattern den Flug und eine gar nicht so schlechte Landung. Ging der Flug noch über kargen Boden, so fand sich die Landung schon im Futter. Kann sein, dass deshalb weiterer Flug nicht so wichtig erschien, sondern eher Sicherung der Pfründe? Ganz falsch ist das doch nicht! Wir wurden immer stärker, nur die Flügel erlahmten. Und Alt war wieder wer und Jung strebte nach. Nur Kampfreserve war nicht mehr. Damit war es wirklich schief gegangen. Jung wollte wer werden, auch anders als Alt schon geworden, und so standen sich Jung und Alt plötzlich gegenüber – ein jedes auf seine Art. Erstaunt, nein, sogar erschrocken waren die Alten, ob des Verlustes der Kampfreserve und nannten von Stund‘ an die Jungen „Brigade“. Das kommt aus dem Italienischen und heißt „streitbarer Haufen“. Sie gingen mit den Jungen um wie die Alten immer schon und die Jungen halfen Ihnen dabei trefflich, weil sie vielleicht zu oft so waren, wie die Alten sie sich in ängstlichem Kampfesmut vorstellten. „Jugend kennt keine Tugend“, hörte man, Jugendsünden, Jugendtorheiten wurden beschworen und auch begangen. Sokrates aus dem alten Griechenland wurde erinnert, der der Jugend schlechte Manieren und Verachtung der Autorität nachsagte. Dem tönt es wiederum keck mit dem Romantiker Novalis entgegen, „wo Jugend ist, ist Republik“. Kann es sein, dass die Hackordnung für einen fluglahmen Hühnerhaufen wichtiger wurde als die Lufthoheit im Revier? Gilt Quote statt Flügel, Pfründe statt solidarischer Streit samt Lösung? Die Frage will ich nicht beantworten, weil ich sie optimistischer Weise noch für offen halte. Allerdings will ich, was die Erarbeitung einer Antwort betrifft, Bertrand Russell folgen: „Ich hätte gern eine Welt, in der das Ziel der Erziehung geistige Freiheit wäre und nicht darin bestünde, den Geist der Jugend in eine Rüstung zu zwängen, die ihn das ganze Leben lang vor den Pfeilen objektiver Beweise schützen soll. Die Welt braucht offene Herzen und geistige Aufgeschlossenheit, und das erreichen wir nicht durch starre Systeme, mögen sie nun alt oder neu sein.“