Linke Analyse und das Geschwätz von gestern.

2010 13 Juni
von Peter Porsch

Konrad Adenauer war es, der einst vermeldete, „was stört mich mein Geschwätz von gestern.“ Das ist das Credo einer Politik, die so ziemlich alle Glaubwürdigkeit verloren hat, die aber heute gang und gäbe ist. Sie spekuliert auf Vergesslichkeit und Leichtgläubigkeit und sie schöpft ihre Arroganz aus der Macht, die ihr zwar von immer weniger Wählerinnen und Wählern, unter der Minderheit aber leider immer noch von der Mehrheit überantwortet wird. Ob das für alle Politik gilt, sei dahingestellt. Adenauer hat es für seine CDU faktisch selbst zugegeben. Wie aber sieht es mit linker Politik aus und ihren Texten von gestern? Meine Reden im Landtag zu herausgehobenen Ereignissen sollten eigentlich nie „Geschwätz“ sein. Sie waren inhaltlich getragen von der Analyse hochkarätiger Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Fraktion. Und was war diese Analyse wert? Ein Beispiel: 26.04.1996, Aktuelle Debatte, Das Bonner Sparpaket und seine sozialen Auswirkungen auf Sachsen – ja richtig gelesen, da gab es schon einmal ein Sparpaket. Und was hatte ich für die PDS damals zu sagen? „Wir haben … darüber nachgedacht, ob zur Sanierung des Sozialstaates nicht eher jene Einkünfte herangezogen werden könnten, die in den letzten 15 Jahren um 118% gestiegen sind – das sind die Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit und aus Vermögen – und nicht die, die in den letzten 15 Jahren nur um 18% gestiegen sind – das sind die Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit. Und wir haben gefragt, ob die 10 Billionen D-Mark, die im Besitz von 10% der bundesdeutschen Bevölkerung sind und die jährlich um 200 Milliarden steigen, über Steuern und Abgaben nicht stärker zur Haushaltssanierung herangezogen werden können als bisher.“ Geschwätz von gestern oder hochaktuell? Es ging weiter: „Es zeigt sich, dass die konservative Mehrheit in diesem Land mit ihrer Phantasie nicht weiter ist, als es Bismarck war, der bekanntlich einmal gesagt hat: ,Wenn die Haushaltskasse leer ist, dann lohnt es sich nicht, den Sekt um 10 Mark teurer zu machen, dann muss man den Bierpreis um einen Pfennig anheben‘.“ Geschwätz von gestern oder hochaktuell? Es war dann am 07.03.1996, wiederum in einer Aktuellen Debatte, diesmal zur Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Sachsen, wo ich sagte: „Die steigenden Unternehmensgewinne werden … immer weniger in Arbeitsplätze investiert. Es steigen vielmehr die Geldvermögen und ihr spekulativer Einsatz … Wenn heute solide Investmentfonds Renditen zwischen 10% und 50% im Jahr versprechen, so ist nicht zu erwarten, dass in nennenswerten Größen in Fertigung und Dienstleistung investiert wird, es sei denn, es winken ähnlich traumhafte Renditen durch Rationalisierungseffekte.“ Die Ursache der heutigen Finanzkrise war eigentlich erkannt, auch wenn wir damals noch irrtümlich annahmen, die Investmentfonds seien „solide“. Geschwätz ist es deshalb nicht, am wenigsten von gestern. Deutsche-Bank-Chef Ackermann verlangte erst jüngst 25% Rendite für produzierende Betriebe. Das schien selbst Schäuble unerreichbar und er erkannte, „dass der Finanzmarkt sich nur noch um sich selbst dreht, statt eine vernünftige, nachhaltig wachsende Wirtschaft zu finanzieren.“ (Spiegel-online). Er will es sogar ändern.

Nun, die mit dem C im Parteinamen haben als Richtschnur ihres Handelns die Bibel. Arbeitsminister Blühm meinte ja schon vor vielen Jahren, Jesus lebt und Marx ist tot.Was zeigt die Probe auf‘s Exempel? Jesus sagte, „Was Ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40) Er meinte damit das Gute und wollte zum Guten ermuntern. Die Pastorentochter Merkel und ihre Kumpanen tun gerade sehr viel für die Geringsten ihrer Brüder – und natürlich auch Schwestern. Sie tun aber Schlimmes, nennen es „Sparpaket“ und meinen, damit immer noch durch das stetig enger werdende Nadelöhr des sozialen Protestes zu kommen. Es interessiert sie nicht ihr Geschwätz von gestern und sie übernehmen es doch für ihr Geschwätz von heute. Wichtig ist nur, dass alles so weitergeht wie bisher. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer – und Jesus‘ Wort wird beiseite geschoben: Geschwätz von Gestern!

Uns haben eine gute Theorie und scharfe Analyse schon sehr zeitig weitsichtig gemacht und unseren kritischen Blick geschärft für die Entwicklungen in der Gesellschaft, wenn neoliberale Politik machen darf, was sie will. Diese Theorie – das wissen wir auch – wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Massen ergreift. Sorgen wir dafür, dass es so kommt!

Was das Volk schon immer wusste.

2010 31 Mai
von Peter Porsch

Köhlerglaube: “…eine in ihrer Einfalt sehr klare Antwort …” (DUDEN Deutsches Universalwörterbuch). Daran ist Köhler jetzt gescheitert.

Bemerkungen zum Programmentwurf und zur Programmdebatte

2010 30 Mai
von Peter Porsch

Die Grundsatzkommission beim Landesvorstand DIE LINKE Sachsen hat Leitfragen zur Programmdebatte veröffentlicht. Die Leitfragen sind sicher nützlich, um Diskussionsbeiträge anzuregen, zu strukturieren, vergleichbar zu machen und schließlich in einem Ergebnis zusammenzufassen. Sie sind insofern ausdrücklich zu begrüßen.

Allerdings sind sie in Teilen auch ein Beispiel dafür, wie eine Kommission versucht, sich selbst mit ihrer Meinung bereits in der Diskussion durchzusetzen. Es sind hier über weite Strecken keine Leitfragen formuliert, sondern bereits inhaltliche Kritik, die ziemlich massiv mit Wahrheitsanspruch daherkommt. Sicher kann da punktuell zurückgewiesen, widersprochen oder modifiziert werden und viele werden keine Hemmung haben. Die Autorität der Kommission wird allerdings ebenso wirken. Damit will ich nicht das Recht der Grundsatzkommission auf eigene Kritik am PE zurückweisen oder auch nur einschränken. Dieses ist selbstverständlich gegeben und es ist nichts gegen das Einbringen der Kritik in die Diskussion zu sagen, wenn dies in auch formal feststellbarer Thesenform geschieht. Im vorliegenden Papier sind jedoch Leitfragen, Entwurfskritik und teilweise schon Beantwortung der Leitfragen textlich so miteinander verquickt, dass sie nicht immer deutlich auseinanderzuhalten sind. Dies manipuliert die Debatte, auch wenn natürlich wichtige Fragen angesprochen werden. Wie soll z.B. ein einfaches Mitglied sich den Text aus seiner Lage heraus erschließen und dann debattieren, wenn zum Abschluss der Leitfragen bereits apodiktisch festgestellt wird: „Auch wenn nicht jedes Detail ins Programm gehört, bleibt es doch in seiner präzisen Justierung auf effektiv und zeitnah umzusetzende Erfordernisse innerer Entwicklung sehr schwach und unzureichend.“ – Dies ist ein Urteil, das auch durch den vorhergehenden Text , selbst wenn es stimmte, in dieser Absolutheit nirgends begründet ist. Es hat einzig suggestiven Charakter. Harmlos wird es höchstens durch die verquaste Sprache, in der es formuliert ist. Inhaltlich ist es noch dazu mehr als vage, tut aber so als wäre völlig klar und konkret, was gemeint ist. Schließlich wird der innerparteilichen Debatte die notwendige „Höhe und Reife“ abgesprochen, was möglicherweise sogar am Misslingen der Programmdebatte schuld sein könnte. Da muss man die Frage stellen, warum das so ist. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Spitzenfunktionäre die Debatte bereits an sich gerissen hatten, bevor die Basis den Entwurfstext überhaupt zur Kenntnis nehmen konnte. Die Basis reagiert jetzt meist nur noch darauf – auf die aufgeworfenen Dissense und auf die bereits markierten Konfliktlinien zwischen Personen und Gruppen in der Partei. Der kritisierte Teil des vorliegenden Papiers leistet eine Beitrag dazu.

Für mich stelle ich fest, dass sich unabhängig von den Überschriften und den damit wechselnden Perspektiven vier wesentliche Problemstellungen durch den PE und durch die Leitfragen ziehen:

1. Eigentum und die Veränderung der Eigentumsverhältnisse als Schlüssel zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse (eine inhaltliche Frage und eine methodische).
2. Demokratie – Wirtschaft – Staat: Es stellt sich die Frage nach den Partizipationsmöglichkeiten von Akteuren in wirtschaftlichen und staatlichen Gestaltungsprozessen.
3. Wer sind die Akteure der gesellschaftlichen Veränderungen? An wen wendet sich deshalb unser PE und das spätere Programm? Welche Interessen begründen ihn/es inhaltlich? Die Antwort auf diese Fragen erfordert auch eine Antwort zum Charakter unserer Partei im politischen System und ihren Wirkungsmöglichkeiten.
4. Die Sprache des PE – „unsere“ Sprache?

Klärungen zu diesen Problemfeldern halte ich für sehr bedeutsam für die Qualität des Endproduktes.

Zu 1.:
Zunächst mal wäre ja zu klären, welches Eigentum wir meinen, um dann über die EigentümerInnen bzw. Eigentumsformen und die Kontrolle von Eigentum zu sprechen. Dies ist in der Präambel halbwegs ausreichend getan („Eigentum in der Daseinsvorsorge, an der gesellschaftlichen Infrastruktur, …“; staatliches, kommunales, genossenschaftliches oder Belegschaftseigentum). Und im Abschnitt III.: „Wir wollen eine radikale Erneuerung der Demokratie, die sich auch auf wirtschaftliche Entscheidungen erstreckt und sämtliche Eigentumsformen emanzipatorischen, sozialen und ökologischen Maßstäben unterwerfen.“ Spätestens an dieser Stelle wird jedoch die in der Präambel vollzogene Einschränkung auf bestimmte Formen des Eigentums tendenziell auf sämtliches Eigentum ausgeweitet. D.h. es gehört auch persönliches Eigentum wie z.B. Haus/Wohnung, Fahrzeug usw. dazu. Dies ist auch notwendig, wenn man die „sozialen und ökologischen Maßstäbe“ ernst nimmt, denn dann muss es Eingriffe in ungeordnete Zersiedelung, ausbeuterische Mietverhältnisse und Privatisierung von öffentlichem Raum ebenso geben, wie in einen chaotisch ausgeweiteten Individualverkehr. Der Gedanke mag erkannt sein, die Ehrlichkeit gebietet an dieser Stelle jedoch vielleicht noch einen Satz präzisierender Bestimmungen.

Wichtiger scheint mir aber eine kritische Betrachtung der Hoffnungen, die an weitgehend direkte demokratische Kontrolle von Eigentum bzw. an staatliches, kommunales oder kollektives Eigentum geknüpft werden. Es gibt doch für alle diese Eigentumsformen bereits Beispiele und Erfahrungen. Und wir haben Mitbestimmungsmodelle. Waren und sind die einschlägigen Erfahrungen wirklich so, dass der Optimismus des PE in dieser Frage berechtigt ist? Ich glaube, nein! Das hängt mit dem allgemein Charakter von Eigentum zusammen, aus dem sich immer ein Egoismus der EigentümerInnen oder auch VerwalterInnen, ja selbst KontrolleurInnen des Eigentums ergibt. Man muss ja nicht gleich mit Proudhon Eigentum als Diebstahl betrachten, dass Eigentum aber Besitzansprüche und Konkurrenz- und Konfrontationsstrukturen schafft, wird man wohl nicht bestreiten können. Das kann positive Effekte bringen, sicher bringt es aber auch alle negativen, die je mit Eigentum verbunden waren. Dass aus Eigentum, wie auch immer es strukturiert sein mag, sich auch permanent Machtansprüche ableiten werden, die nur durch das Eigentum begründet sind, darf nicht beiseite geschoben werden. Man muss die Sache also dialektisch angehen: EigentümerInnen werden den Nutzen aus ihrem Eigentum suchen. Das kann bei kollektivem Eigentum oder unmittelbar demokratisch kontrolliertem Privateigentum bzw. Eigentum der öffentlichen Hand, wo ja die KontrolleurInnen faktisch den Nutzen des Eigentums mitbestimmen, das Profitprinzip in die Schranken weisen und sozialen Nutzungseffekten Raum geben. Immer aber bleiben auch Nicht-Eigentümer bzw. von der Kontrolle Ausgeschlossene, deren Interessen die Nutzung von Eigentum zuwiderlaufen kann. Solches zeigt alle Geschichte. Staatseigentum verhindert so wenig den unsozialen Missbrauch von Eigentum wie genossenschaftliches oder Belegschaftseigentum. Wer das verhindern will, verstrickt sich früher oder später in einer Bürokratie der Kontrolle, die sich übrigens wieder verselbständigen könnte.

Dialektisch herangehen heißt deshalb, sich auch eine Aufhebung von Eigentum in seiner bisherigen Form und als Eigentum überhaupt vorstellen zu können. Das muss natürlich mehr sein, als nur die Aufhebung allen Eigentums in Nicht-Eigentum. So etwas hatten wir genau genommen mit den VEB. Kaum jemand entwickelte da ein Eigentümerbewusstsein, weshalb sich auch niemand beim zunächst drohenden und später realen Verlust als EigentümerIn betroffen fühlte oder gar bereit gewesen wäre, dieses Eigentum zu verteidigen – auch nicht das Politbüro. Wir hatten deshalb de facto die EigentümerInnen abgeschafft. Als herrenloses Gut wurden die VEB dann zur leichten Beute der Treuhand oder des Management-by-outs. Es wurde also erst wieder in Eigentum verwandelt, weil sich EigentümerInnen fanden.

Nun ist ein Parteiprogramm sicher nicht der Platz, diese hoch-politökonomische Frage des Übergangs vom Eigentum zu einem handhabbaren „Nicht-Eigentum“ zu diskutieren oder auch nur anzuschneiden. Da sind natürlich praktische Schritte gefragt, die uns in eine Phase dieses Überganges bringen könnten. Als Voraussetzung dafür brauchen wir aber einen theoretischen Vorlauf, den wir ganz offensichtlich nicht haben. So wird aber das Bauen auf demokratische Eigentumskontrolle und Ausweitung der Eigentumsformen hin zu staatlichen, kommunalen und kollektiven von einer konkreten Utopie zu einer bloßen idealistischen Hoffnung, deren Einlösung durch nichts garantiert wäre, als durch den stets guten Willen und das soziale Ethos der Beteiligten. Eine materialistische Lösung ist das sicher nicht und deshalb auch keine nachhaltige. Sie kann im günstigsten Fall in Projekten ihren probeweisen wie vorbildhaften Ausdruck finden. Das eigentliche Problem ist doch, den Weg zu finden zu einer nichtentfremdeten Arbeit, zu einer gesellschaftlichen Aneignung des gesellschaftlich Produzierten und der auf dieser Basis erst möglichen ungefährdeten Ausbildung aller menschlicher Individualität. Und Marx kritisiert deshalb folgerichtig auch an Proudhon, dass er nicht das Eigentum an sich angreift, sondern nur das Eigentumsmonopol der Kapitalisten (vgl. „Das Elend der Philosophie“). Freilich können wir an dem PE das schätzen, was auch Marx an Proudhon schätzte: den „herausfordernden Trotz, der das ökonomisch Allerheiligste antastet, die geistreiche Paradoxie, womit der gemeine Bürgerverstand gefoppt wird, und das tiefe und wahre Gefühl über die Infamie des Bestehenden.“ (vgl. ebenda) Mehr aber auch nicht.

Ein anderes Problem in diesem Zusammenhang will ich nur andeuten: Gesellschaftliche Kontrolle und kollektive, demokratische Willensbildung sind nach aller bisheriger Erfahrung langwierige und komplizierte Prozesse. In die Wirtschaft hineingetragen, werden sie sich auch dort in dieser Art und Weise entfalten. Ob dann in einer Phase, wo solche Wirtschaftsdemokratie noch in Konkurrenz steht mit bisherigen Entscheidungsweisen, sich die demokratische und kollektive durchsetzen kann und wie sie das bewerkstelligen sollte, muss als wichtige Frage aufgeworfen werden.

Zu 2.:
Meines Erachtens gehört der „Demokratisierung der Gesellschaft“ (vgl. vor allem IV./2.) programmatisch der Vorzug vor den Projekten zur „Demokratisierung des Eigentums“, auch wenn Letzteres schließliches Ziel sein sollte. Dies hängt mit der zeitlichen Reichweite, mit dem Horizont programmatisch vorherbestimmbaren Handelns ab. Mittelfristig sind unter den gegebenen Verhältnissen Erfolge bei der Demokratisierung der Gesellschaft, mit der auch eine demokratische Einflussnahme auf den Umgang mit Eigentum und die Verteilung der Gewinne aus Wertschöpfung verbunden sind, am ehesten zu erreichen. Und solche zu erreichen, sollte Inhalt und Methode linker Politik vorrangig prägen. Wachsender politischer Einfluss der Partei DIE LINKE ermöglicht konkreten Einfluss auf sozial ausgerichtete Steuerpolitik, auf Beschränkung von Monopolmacht, auf Ökologisierung von Produktion, Mobilität und Konsum, auf friedliche Entfaltung von Wirtschaftskraft und internationalem Austausch, auf Chancengleichheit beim Zugang zu Bildung und Kultur, bei der Zurückdrängung von Diskriminierungen und der Förderung von Emanzipation … Weil dies über den Staat und seine Gesetzgebung in allgemeiner Weise und Gültigkeit geschieht, ist die Durchsetzung von Einzelinteressen und speziellen Eigentumsegoismen legal eigentlich nicht möglich bzw. in der Praxis maximal erschwert. Projekten konkreter demokratischer Kontrolle und humaner Nutzung von Eigentum wird zudem damit erst die sichere Basis und Orientierung gegeben. Demokratische Bestimmung von Bildungsinhalten wird so möglich. Kurzum, „Demokratisierung der Gesellschaft“ ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass die Menschen in die Lage versetzt werden, ihre Angelegenheiten in umfassender Weise in die eigenen Hände zu nehmen, ohne dabei Gesellschaft auf die bloße Gesamtmenge von Einzelinteressen zu reduzieren oder sie gar Monopolisierungen bei der Willensbildung auszusetzen.

Ich verstehe das Programm als ausgerichtet auf einen Zeitraum, in dem wir unter weitgehend heutigen Verhältnissen in Wirtschaft und politischem System den Weg bereiten könnten für von uns gewünschtes/erdachtes Zukünftiges („demokratischer Sozialismus“). Natürlich wird so auch der Weg zum Ziel und es muss etwas vom Ziel den Weg charakterisieren. Nur – vage oder gar nicht überschaubare Vorgriffe auf das Ziel zum Programm zu machen, halte ich aber für nicht sehr produktiv, weil dann das Erlebnis des Scheiterns die Umsetzung des Programms dominieren wird. Politik braucht Erfolg, um fortgesetzt erfolgreich sein zu können. Für mich steht also die Demokratiefrage so, dass wir überlegen, wie wir in den gegebenen Verhältnissen Dinge tun können, die den Weg bereiten und Möglichkeiten bieten, unsere Vorstellungen auszuprobieren. Das braucht erstens Mehrheiten (und die soll es immer brauchen), zweitens Ideen und drittens Umsetzungskompetenz. Alles in allem braucht es aber auch Bescheidenheit und Geduld: Wie sagte Marx? Die Menschheit stellt sich immer nur Aufgaben, die sie lösen kann. Die Partei sollte es nicht anders halten und sich deshalb ein Programm geben, das über Wahlprogramme deutlich hinausreicht, Utopien erkennen lässt, dennoch aber realistische und glaubwürdige Wegmarken setzt.

Im Hinblick auf den PE kann man aus dieser Perspektive mit dem Abschnitt IV./2. inhaltlich weitgehend zufrieden sein. Einzelheiten werden sicher noch ausgestritten. Zu fragen ist aber, ob die einschlägigen Ausführungen wegen ihrer Wichtigkeit nicht einen eigenen Abschnitt erfordern, statt nur Teil 2. von IV. zu sein.

Zu 3.:
Im Abschnitt II. des PE ist von der „herrschenden Klasse“ als einem Akteur in Verteilungskämpfen um Macht und Reichtum die Rede. Daher muss es logisch auch andere Klassen geben. Weil die soziale Marktwirtschaft im gleichen Abschnitt als Kompromiss zwischen Lohnarbeit und Kapital angesehen wird, könnten alle in Lohnarbeit Stehenden als die Klasse angesehen werden, die der herrschenden (Kapitalisten-)Klasse entgegensteht. Würde man dies in der Einfachheit anerkennen, käme man in beträchtliche Schwierigkeiten. Zur Lohnarbeit gehören nämlich auch Menschen, die ausgesprochene Kapitalfunktion ausüben und zwar so, dass ihre persönlichen Interessen und die des Kapitals im allgemeinen und im besonderen weitgehend zusammenfallen. Dazu gehört z.B. das Management oder wenigstens Teile davon. Insofern ist es tatsächlich günstiger, dass im PE zunächst nicht scharf definiert der „herrschenden Klasse“ „ArbeitnehmerInnen“, „Erwerbslose“, verschiedenartig „diskriminierte Gruppen“, „humanistisch orientierte Milieus“ oder „bedrohte Mittelschichten“ gegenüber gestellt werden. Diese Gruppen sind unsere Ansprechpartner und -partnerinnen. Aus ihnen rekrutieren sich BündnispartnerInnen. Sie sind – allerdings aus unterschiedlichen Gründen – interesssiert oder zumindest interessierbar an gesellschaftlichen Veränderungen, die wir vorschlagen. In den Leitfragen wird jedoch zu recht die Aufgabe an die Programmdebatte formuliert, daraus „eine analytisch tragfähige und praktisch relevante programmatische Antwort“ zu erarbeiten. Die LINKE kann im gegebenen politischen System und mit ihren Zielstellungen in ihren sozialen Grundlagen, in ihrer Mitgliedschaft keine Klassenpartei sein. Dies ist in der Schwierigkeit der sozialen Wahrnehmbarkeit von Klassenunterschieden in der heutigen Gesellschaft genau so begründet, wie in den Möglichkeiten und Aufgaben einer Partei im System. Unterscheidbar konturiert werden im Normalfall sehr viel mehr Gruppen wahrgenommen (ArbeiterInnen, Angestellte, Intellektuelle, HandwerkerInnen, Selbstständige in Handel und Dienstleistungen, PolitikerInnen usw.) als Klassen. Was über diesen Unterschieden wahrgenommen wird, sind gemeinsame oder differente Interessen. Und dort muss politische Mobilisierung durch die LINKE ansetzen. Es ist die Frage zu stellen, wie weit Kapitalismus Menschheitsinteressen und Menschenrechte (be-)rühren und wie weit im Kapitalismus Menschheitsinteressen und Menschenrechte durchsetzbar sind bzw. ihnen entgegengewirkt wird. Das tut der PE eigentlich recht ausführlich, wenn auch mit (akzeptabler) Schlagseite. Ich lese klar heraus, dass sich die Partei mit diesem PE zwar weitgehend antikapitalistisch oder zumindest radikal kapitalismuskritisch aufstellt, sich jedoch nicht als Klassenpartei und noch weniger als Avantgarde einer Klasse begreift. Damit wäre politisch auch kein Blumentopf zu gewinnen. Ich lese aus dem PE weniger heraus, welche Stelle der Kapitalismus in der Dialektik historischer Entwicklung einnimmt, d.h. auch welche Errungenschaften, auf die man nicht verzichten will, er gebracht hat. Das mag aber programmatisch tatsächlich zweitrangig sein. Die Partei ist eine auf Veränderung ausgerichtete „Interessenpartei“ (vgl. dazu besonders den ersten Absatz der Präambel und die gesamte Präambel). Das braucht keine ausführliche historiographische Gerechtigkeit gegenüber dem Kapitalismus. Interessen lassen aktuelle Ziele erkennen und wer sich der Durchsetzung dieser Interessen und dem Kampf um die Erreichung dieser Ziele anschließt, sollte mit dieser Partei können. Das gibt der Partei Profil. Damit steht die Partei in Konkurrenz zu den anderen Parteien und über den politischen Kampf zur Durchsetzung dieser Interessen muss sie ihre Alleinstellungsmerkmale und damit ihre politische Attraktivität bestimmen. Dies macht die Partei aber auch zwangsläufig in den Grenzen der programmatisch festzulegenden Gemeinsamkeiten zu einer pluralistischen, weil sich in ihr Menschen finden, die aus ganz unterschiedlichen Lebens-, Wahrnehmungs- und schließlich auch Weltanschauungszusammenhängen heraus ihre Übereinstimmungen in Ziel und Weg (und deshalb natürlich auch ihre Differenzen) immer wieder neu suchen, feststellen und definieren müssen. Sie machen es jeweils auf ihre Weise, was eine einseitige Ausrichtung an monopolisierten Wissenschafts- und/oder Glaubensparadigmen ausschließt, was aber auch nicht verbietet, auf Traditionen zu verweisen und zurückzugreifen. Insofern ist das Programm nicht für bestimmte Gruppen in- oder außerhalb der Partei zu schreiben, sondern zunächst für alle als Angebot, sich mit uns auf den Weg zu machen in jene „bessere Zukunft“, die die Präambel beschreibt. Wie vertrauenswürdig wir dafür sind, wie kompetent und wie erfahren, wie offen für Diskurs, das sollte dem Abschnitt I. entnommen werden können. Er gehört deshalb auch mit den Inhalten der Präambel an den Anfang.

Zu 4.:
Mit Gewissheit ist die Frage der sprachlichen Qualität des Programms eine sehr wesentliche, wenn wir den Anspruch stellen (müssen), dieses für alle zu schreiben. Allerdings darf der Anspruch an eine einfache, verständliche Sprache nicht verwechselt werden mit sprachlicher Simplifizierung, mit Verzicht auf begriffliche Klarheit und Eindeutigkeit. Eindringlichkeit der Sprache und Emotionalisierung sind vonnöten, dürfen aber nicht in billiger Anbiederung an Alltäglichkeit, Schlagwortartigkeit und Jargon enden, genau so wenig wie in akademischer oder politischer Überheblichkeit und Exklusivität. Damit ist das Problem sehr viel weiter gesehen als in der oft vorgefunden Reduktion auf die Fremdwortproblematik. Wir stehen vor einer komplexen sozialen und kommunikativen Problemlage.

Der französische Kommunist Roger Garaudy hatte einst darauf hingewiesen, welche Probleme bei der Lektüre von Marx auftreten: Das Proletariat kann Marx eigentlich sehr gut verstehen, besser als jeder bürgerliche Intellektuelle, weil Marx genau die Lebenslage und die Erfahrungen des Proletariats beschreibt. Dennoch hat das Proletariat sehr große Probleme bei der Rezeption von Marx, weil dieser nicht in seiner „Sprache“ schreibt. Intellektuelle hinwiederum können Marx sprachlich sehr gut verstehen, es fehlt ihnen aber der Zugang zu den beschriebenen Lebenswelten und damit das Verständnis für das Anliegen. Unabhängig davon, wie radikal man diese Differenz sehen will, sie spielt eine Rolle für die sprachliche Gestaltung des Programms.

Zunächst sollte man fragen, was eine allgemeine Einfachheit der Sprache bestimmt, ohne in Simplifizierung oder gar Vulgarisierung zu verfallen. Sicher kann man da auch die Fremdwörter zählen und möglichst reduzieren. Strukturell ist jedoch deutlich mehr zu tun.
Eine besondere Rolle für Verständlichkeit spielen z.B. Satzlänge und Satztiefe. Die Satzlänge folgt einer einfachen Quantität: Mann sollte immer dann schon einen Punkt machen, wenn es möglich ist. Mit der Satztiefe ist es komplizierter: Sie meint die Anzahl der Prädikationen im Text und ihre Hierarchie. Die Basisprädikation findet sich in der Zuordnung von Subjekt und Prädikat im Hauptsatz. Sie sollte durch möglichst wenig weitere und untergeordnete Prädikationen ergänzt bzw. verdeckt werden. Solche Prädikationen sind einmal Nebensätze und Partizipgruppen, vor allem aber Attribute aller Art. Jedes sprachliche Attribut ist eine verdeckte Prädikation, kann also in einen Satz aufgelöst werden. Wenn dies das Verständnis befördert, sollte man dies auch tun. Im Zweifelsfall kann man auch etwas weglassen.

In diesem Zusammenhang ist auch etwas über Grammatik und Orthographie zu sagen: Der PE ist grammatisch korrekt und gemäß den orthographischen Normen geschrieben. Das ist gut so. Auf Grund meiner Erfahrung mit geschriebenen Texten aus dem Umfeld der Partei, halte ich aber doch einige Anmerkungen für nötig.

Grammatik ist natürlich die Symbolisierung von inhaltlichen Zusammenhängen im Satz. Bis auf wenige Ausnahmen haben deshalb grammatische Regeln und Formen die Funktion, diese Zusammenhänge deutlich zu machen und Missverständnissen vorzubeugen. Wir sollten sie also nicht gering schätzen. Ähnliches gilt für die Orthographie. Bedeutet Strenge in Bezug auf Grammatik und Orthographie oft aus der Sicht der SchreiberInnen auch eine zusätzliche Last neben der inhaltlichen Konzeption der Äußerung, so sind sie doch für die LeserInnen eine wertvolle Hilfe bei der Wahrnehmung und Rekonstruktion der inhaltlichen Struktur der Äußerung. Das beginnt bei der Groß- und Kleinschreibung, die durch die Hervorhebung der Substantive Unterschiede bei begrifflichen Qualitäten in der Gedankenstruktur unterscheiden hilft und für das Lesen auch optisch Gliederungspunkte schafft. Es setzt sich fort bei der korrekten Verwendung von Satzzeichen („Der gute Mann denkt an sich selbst zuletzt“ – „Der gute Mann denkt an sich, selbst zuletzt.“) Es endet noch lange nicht bei der orthographischen Unterscheidung z.B. von Artikel („das“), Relativpronomen („das“) und Konjunktion („dass“). Z.B. signalisiert Orthographie korrekte Aussprache („Beet“ – „Bett“, „Gase“ – „Gasse“) Verantwortung gegenüber Grammatik und Orthographie hat also vor allem etwas mit Solidarität gegenüber den LeserInnen zu tun. Sie erhöht und erleichtert die Verständlichkeit von Texten. Dass sich durch die Geschichte der Sprache auch Unregelmäßigkeiten in die Orthographie eingeschlichen haben, vernachlässigen wir hier.

Politische Sprache bedient sich sehr vieler „Fahnenwörter“, also Wörter, die zur jeweiligen Partei oder Gruppe in charakterisierender Weise dazu gehören. Im PE sind das Wörter wie „Demokratie“, „Freiheit“, „Gleichheit“, „Gerechtigkeit“, „Internationalismus“, „Solidarität“ und viele andere mehr (vgl. zu den genannten Wörtern die Präambel). Solche Fahnenwörter gehören zu uns wie eben unsere Fahnen. Wir scharen uns um sie. Sie symbolisieren unsere Gemeinsamkeit(en). Dies tun sie aber manchmal mehr, als dass sie eine konkrete, für Außenstehende nachvollziehbare, auflösbare Bedeutung hätten. Genau dies aber herbeizuführen ist Aufgabe eines Programms. Der PE leistet dies in unterschiedlicher Weise. Ist z.B. das Wort „Demokratie“ am Ende sehr genau inhaltlich gefüllt, so ist das z.B. bei „Gerechtigkeit“ oder „Freiheit“ sehr viel weniger der Fall. Als Wörter dienen sie auch anderen Parteien zur Agitation, in den Inhalten sollten sie aber spezifiziert sein. Bei „Frieden“ könnte man schon fragen, ob wir dabei eine pazifistische, jede Gewaltanwendung ausschließende Konzeption vertreten oder eine komplexere.

Schreiben wir ein Programm „für alle“ müssen wir wissen, dass es Wörter und sprachliche Wendungen gibt, die für verschiedene Personengruppen (Jugendliche, Ältere, Parteimitglieder, ehemals PDS, ehemals WASG, Berufsgruppen, DDR/BRD Herkunft, landschaftliche Gruppen/Dialekte …) unterschiedliches Prestige genießen, einen unterschiedlichen Gebrauchswert haben können. Man kann auch sagen, dass es Wörter gibt, die auf verschiedene Personengruppen unterschiedlich wirken von „anheimelnd“ bis „abstoßend“ und die diese gerne oder gar nicht gerne hören, lesen oder verwenden wollen. Wir sind da nicht immer souverän. Brecht schrieb im Gedicht „An den Schwankenden“: „Einen Teil unserer Wörter hat der Feind verdreht bis zur Unkenntlichkeit.“ Dem können wir nicht mit Vernachlässigung, Ignoranz oder Dickköpfigkeit begegnen, denn natürlich hat der „Feind“ damit Wirkung erzielt und sich Macht verschafft über den zunächst öffentlichen und dann auch individuellen Umgang mit unserer Sprache. Wer das nicht berücksichtigt, dem stellt Brecht im gleichen Gedicht die warnende Frage, „Werden wir zurückbleiben, keinen mehr verstehen und von keinem verstanden?“ Es soll in diesem Zusammenhang keineswegs der sprachlichen Kapitulation das Wort gesprochen werden, man muss aber schon wissen, was man tut und wie man möglicherweise wirkt, wenn man ein (vertrautes)Wort oder eine Wendung verwendet.

Und nun doch noch zu den leidigen Fremdwörtern: Sie haben u.a. etwas mit den Zwecken, wofür, und mit den Bereichen, in denen Sprache verwendet wird, zu tun. Wissenschaftssprache „liebt“ die Fremdwörter: Erstens weil sie oft auch Internationalismen sind und deshalb in der internationalen Wissenschaftskommunikation ohne Übersetzungsprobleme von allen verstanden werden. Zweitens, weil sie sich vom Nebensinn, der muttersprachliche Wörter oft begleitet, befreien können (vgl. „Geschlecht“ – „gender“). Zudem machen sie bei Bedarf genauere Unterscheidungen als muttersprachliche Wörter auf einfache Weise möglich („natürliches Geschlecht“ – „sexus“, „grammatisches Geschlecht“ – „genus“, „soziales Geschlecht“ – „gender“). Nun sollte ein Programm zwar eine wissenschaftliche Grundlage haben. So weit man auf dieser Ebene diskutiert, wird man Wissenschaftssprache mit allen ihren Eigenheiten und also auch den Fremdwörtern nicht entgehen können (ich bitte auch meinen Text unter diesem Aspekt zu beurteilen). Die Programmsprache muss aber eine andere sein. Unter Umständen sind dann auch Umschreibungen („Paraphrasierungen“) günstiger als ein bequemer, aber beim Publikum unverständlicher Fremdwortgebrauch.

Ähnliches gilt übrigens auch für unser „Gruppensprache“, also in der innerparteilichen Kommunikation übliche Jargonismen, die Außenstehenden aber eben „parteichinesisch“ vorkommen. Damit holt man nicht Interessierte heran, sondern grenzt sich eher ab und grenzt diese eher aus.

Entgehen werden wir bei der sprachlichen Gestaltung eines Programms aber sicher nicht der allgemeinen Einsicht: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“ Genau deshalb sollten wir rein „geschmäcklerische“ Sprachkritik vermeiden. Die Weisheit gilt aber natürlich ebenso für die Inhalte.

Vom richtig Falschen oder links zur Wahrheit.

2010 10 Mai
von Peter Porsch

Glaubt man dem Volksmund, so kreißen manchmal Berge und es werden dennoch nur Mäuschen geboren. Der umgekehrte Fall, dass Mäuschen gekreißt hätten und Berge geboren worden wären, ist nicht vermeldet. Und so konnte es also auch nicht anders kommen, als sich in Österreich auf Einladung der Österreichischen Volkspartei – sozusagen der Donau-Alpen-CDU – der deutsche Ex-EU-Kommissar Günter Verheugen und der österreichische Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel zur Diskussion trafen, um herauszukriegen, „ob denn ideologische Fragen in der Politik der Zukunft noch bedeutsam seien.“ (Kleine Zeitung, 6. Mai 2010, S. 22) Die Mäuse kreißten und das Ergebnis war naturgemäß: Fragen von „rechts“ oder „links“ würden in Zukunft ganz stark in den Hintergrund treten, meinten die Diskutanten. Zur Lösung der Probleme gebe es nur noch richtige oder falsche Lösungsansätze. Als Erkenntnis ein Mäuschen, sicher nicht wirklich lebensfähig, aber immerhin bemerkenswert. Warum? Dieser Schüssel, der einst die rechtsgeneigte FPÖ durch Regierungsbeteiligung salonfähig machen wollte, hat noch etwas für sich als richtig erkannt. Die „Faschismuskeule“ würde von linken Parteien angeblich dann ausgepackt, wenn es gegen rechte Regierungen keine sachlichen Kritikpunkte mehr gebe. Holla! Herr Schüssel, ist es nicht eher so richtig, dass rechte und rechtsradikale Parteien dann vom Kapital, seinen PolitikerInnen und seinen MeinungsmacherInnen unterstützt und favorisiert werden, wenn es Krise gibt und das Volk, durchaus befördert von links, dem Kapital auf die Schliche zu kommen droht oder es gar be-droht? Also packen die Faschismuskeule doch die aus, die von links ihre Interessen in Frage gestellt sehen. Herr Schüssel sagt also nichts wirklich Richtiges, wohl aber etwas, was seinen Interessen und vor allem denen seiner Hintermänner und -frauen entspricht. Darum gab es bei Herrn Schüssel noch Protest wegen der FPÖ, heute ignorieren im besten Fall willfährige Politik und Meinungsmache jegliche Rechtsentwicklung, wohl aber verteufeln sie linken Protest. Machen wir uns nichts vor. Es gibt in der Politik nichts objektiv Richtiges oder Falsches. Es gibt zuallererst Interessen und diese bestimmen ihre Wahrheiten. Die Wahrheit der Spekulanten ist eine andere, als die von ArbeiterInnen, Angestellten oder RentnerInnen. Die Wahrheiten der Industrie über Wissenschaft und Fortschritt sind andere als die der Mehrheit der Studierenden und ihrer AltersgenossInnen. Das ließe sich fortsetzen. Richtig ist aber wohl, dass jene Interessen sich durchsetzen sollten, die sich an sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit orientieren und nicht jene, die den Profit zum Götzen machen. Dies ist richtig, weil nur erstere den Bestand der Gesellschaft und der Natur garantieren können, die anderen aber für Profit alles riskieren, auch unseren Planeten und die Existenz von mittlerweile Milliarden Menschen und das für richtig halten. Ein paar Tage später, nämlich am 7. Mai 2010 war dies in der gleichen österreichischen Zeitung, aus der ich oben zitiert habe, schön zu lesen. Ein Herr Frank Stronach, seines Zeichens Chef des Magna Konzerns (das ist jener, der auch Opel kaufen wollte), eröffnete uns dort auf Seite 35 in bemerkenswerter Ehrlichkeit seine Interessen: „Kennen Sie die goldene Regel? – Wer das Gold hat, macht die Regel. Und ich habe das Gold.“ Sprachlich und politisch interessant, denn die Interessen erscheinen in der Gestalt einer unumstößlichen Wahrheit. Wahr ist es ja gerade, es muss aber nicht die ewige Wahrheit bleiben. Darum gibt es z.B. links. Und weil ich gerade bei österreichischen Zeitungen bin – „Fürwahr zum Himmel schreit zurzeit, soziale Ungerechtigkeit. Die Armen unterstützen Reiche! Doch war es immer schon das Gleiche auf dieser jammervollen Erden: Wer hat dem wird gegeben werden“, stellt ein täglich kommentierender Reimer in der österreichischen Kronen-Zeitung just am gleichen 7. Mai auf Seite 3 fest, um dann zu der „Erkenntnis“ zu gelangen: „Da hilft kein Drohen, kein Beschwören, kein Aufruf, keine weisen Lehren, kein Rat, kein mahnender Sermon und keine Revolution.“ Hat er gedacht und will er uns einreden! Dass dies aber nur konservativ und rechts ist und gar nicht richtig sein muss, dafür steht die Linke und deshalb sind die Fragen und Antworten von links und rechts keine „ideologischen“ Fragen, sondern Fragen und Antworten hinter denen unterschiedliche Interessen stehen. Die Fragen sind aber nicht mehr und nicht weniger als Fragen nach unser aller Zukunft, auf die nur die linken Antworten richtig sind, weil den Interessen aller Menschen folgend. Immer mehr begreifen das – siehe z.B. jüngst Nordrhein-Westfalen.

Vom merkwürdigen Vergrößern und Verkleinern im österreichischen Verfassungsschutzbericht.

2010 27 April
von Peter Porsch

“Insgesamt ist die Lage, was den Rechtsextremismus angeht, stabil. Die Anzeigen in diesem Bereich gingen von 835 vor zwei Jahren auf 791 im Jahr 2009 zurück. Allerdings stiegen die Anzeigen nach dem Verbotsgesetz (von 360 auf 396), was Fekter und Gridling vor allem auf eine höhere Sensibilität der Bevölkerung in diesem Bereich zurückführen … Eine “gewaltige Zunahme” erkannte Fekter indes bei linksextremistischen Delikten. Tatsächlich stieg die Zahl der Anzeigen im Jahresvergleich von 64 auf 90 …” (kronen.at)

Um sicher zu gehen, setzen sie aber noch einen drauf:

“Er (Gridling) glaubt aber auch, dass es bei den linksextremen Delikten ein Problem bei der Zuordnung gibt, es in Wahrheit in diesem Bereich doch eher mehr Vorfälle gebe als von der Statistik ausgewiesen.” (ebenda)

So wird’s gemacht.
Jetzt passt’s auf jeden Fall!

Vom Krieg, von der Umgangssprache und vom Klartext der Sprichwörter und Weisheiten.

2010 14 April
von Peter Porsch

„Umgangssprachlich“, hat er gesagt, der zu Guttenberg, und das „Umgangssprachlich“ noch einmal betont, „umgangssprachlich“ handele es sich um Krieg, was in Afghanistan passiert. Drei tote deutsche Soldaten und mindestens fünf tote Afghanen haben das aktuell bestätigt, was das Umgangssprache sprechende Volk schon lange wusste. Deutschland ist im Krieg! Überhaupt das Volk: Es weiß immer schon mehr und das meistens besser als jene, die es regieren. „Wenn man anfängt zu kriegen, so fängt man an zu lügen“, lautet ein altes Sprichwort. Die verantwortlichen Politiker tun es und wollen es zugleich lügnerisch nicht eingestehen. Eine Ausnahme war einst ein Hiram Johnson, seines Zeichens Gouverneur von Kalifornien und Senator im US-Kongress. Er meinte auch, „das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“ Das ist jedoch schon lange her. Er wirkte von 1911 bis 1945 – Die Einsicht entsprang aber der Erfahrung von zwei Weltkriegen.

Die Sprichwörter sind es, die die Weisheit des Volkes fixieren; Weisheit geboren aus Erfahrung. Und die Erfahrung lehrt, „Krieg sät Krieg“ und „Krieg ist leichter angefangen als beendet“. Freilich gibt es auch Sprichwörter, die die Herrschenden unters Volk gestreut haben. Das taten schon die alten Römer: „Si vis pacem, para bellum.“ („Willst Du den Frieden, so bereite den Krieg vor“) und manche meinten gar, „Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Das waren aber die Oberen. Bert Brecht hingegen, der das Ohr am Volke hatte, sprach diesem Volk aus der Seele, als er feststellte: „Die Oberen sagen: Es geht in den Ruhm. Die Unteren sagen: Es geht ins Grab.“ Wie wahr, und deshalb „gibt es keine kriegslüsternen Völker; es gibt nur kriegslüsterne Führer.“ Allein schon für diese Erkenntnis, die ebenfalls nichts anderes in Worte kleidet, als was die Völker schon lange wissen, bekam der amerikanische Bürgerrechtler Ralph J. Bunke 1950 den Friedensnobelpreis zu Recht. Die große Mehrheit des deutschen Volkes will diesen Krieg in Afghanistan nicht. Aber Herr zu Guttenberg und die gesamte deutsche Regierung unter der Pastorentochter aus der DDR will von all‘ dem nichts wissen. Sie verirren sich in Sprachregelungen und semantischen Kunstkniffen und bestätigen doch nur das Volk, das da sagt, „Krieg hat viel Gaukelei“. Nein, die Schwerter werden nicht zu Pflugscharen geschmiedet, wie es einst die Kirche des Pastorentochtervaters der DDR empfahl, sondern noch mehr Schwerter werden in den Krieg gebracht. Als wollte man die Erkenntnis Karl Jaspers ad absurdum führen: „Der Krieg ist in wachsendem Umfang kein Kampf mehr, sondern ein Ausrotten durch Technik.“ Sie lehnen sich auf die Guttenbergs und Merkels, gegen das, was sie längst wissen müssten: Das „Ausrotten durch Technik“ verliert gegen den Kampf, wenn ihn das Volk unterstützt. Und je mehr Technik man einsetzt, umso mehr Volk geht in den Kampf. Die jugoslawischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg, das vietnamesische Volk seien zwei Beispiele für viele. Überlegene Waffen schaffen kein Recht. Nein, das Sprichwort stimmt: „Im Krieg schweigt das Recht“. Guttenberg aber will mit seinem Trick mit der Umgangssprache vertuschen, dass seine Waffen das Recht zum Schweigen gebracht haben. Es geht auch gar nicht um Recht. Es geht um Macht, z.B. über Ölstraßen. „Die Spekulation hat die Welt ruiniert und Krieg ist Spekulation“, meinte der Schweizer Schriftsteller John Knittel aus indischen und nordafrikanischen Erfahrungen im 20. Jahrhundert. „Krieg ist die Fortsetzung der Spekulation mit anderen Mitteln“, möchte man deshalb heute das Wort von Clausewitz abwandeln, der dies bezüglich der Politik feststellte. Aber was nun, Herr zu Guttenberg und Frau Merkel? „Krieg ist leichter angefangen als beendet“, haben wir schon gehört.  Vielleicht hilft ihnen in dieser Not Benjamin Franklin weiter: „Es gab noch nie einen guten Krieg oder einen schlechten Frieden.“  Das ist Klartext in verständlicher Umgangssprache.
(geschrieben für “Sachsens Linke”, Mai 2010)

Die Christdemokraten und Gottes Wort oder vom Salz der Erde

2010 9 März
von Peter Porsch

„Ich strafe meine Frau mit Gottes Worten sagte der Bauer und warf ihr die Bibel an den Kopf.“ So drastisch sollte man es auch hin und wieder mit Christdemokraten und Christsozialen in den deutschen Ländern treiben. Gerade in Sachsen tun sie sich immer wieder besonders hervor. Und schwört hierzulande ein Christdemokrat oder eine Christdemokratin, so vergessen sie nie den Zusatz „so wahr mir Gott helfe“. Mag ja sein, Gott versucht auch zu helfen. Sie lassen das aber nie zur Geltung kommen. Nun müssen sie das letztlich selbst mit ihrem Gott abmachen, aber es geht auch uns an. Wollen wir deshalb nicht gleich mit der Bibel herum schmeissen, wohl aber sollte man hin und wieder Worte des Evangeliums an der christdemokratischen Wirklichkeit in Sachsen messen.

„Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ Keine Angst, ich will jetzt nicht über sexuellen Missbrauch von Kindern in den christlichen Kirchen sprechen. Da haben wir in letzter Zeit zu viel Sündiges gehört und bei Matthäus 5, 29-30 kann man den Rat Jesu nachlesen, dass man sich eher das Auge ausreißen oder ein Glied abhacken sollte, als sich dadurch zum Bösen verführen zu lassen. Offensichtlich nehmen die sächsischen Christdemokraten und -demokratinnen das zitierte Wort aus dem Evangelium (vgl. z.B. Markus 10, 13-16) und seine Fortsetzung – „Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ – ganz wörtlich. Sie kürzen deshalb im Landeshaushalt dreist und drastisch gerade bei der Kinder- und Jugendhilfe – im Gottvertrauen, dass der Himmel helfen wird. Sie vergessen aber, dass viele Kinder damit um ihre Kindheit, um ihr Kind-Sein gebracht werden, weil sie ohne Hilfe nicht genug Ressourcen dafür vorfinden. Bringt man Kinder aber um ihr Kind-Sein, können sie nicht sein wie Kinder, also auch nicht in den Himmel kommen. Da spätestens wird der budgetäre Betrug an den Kindern auch ein unchristlicher. Kann aber sein, die wackeren und bibeltreuen Christdemokratinnen und -demokraten verlasse sich hier auf die Armut. Lesen wir doch schon ein kleines Stück weiter bei den Evangelisten, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ginge, als dass ein Reicher in den Himmel käme. Kinder in Armut zu lassen könnte also – die Bibel politisch wohlfeil ausgelegt – diesen Kindern das Himmelreich retten. Wie wollen aber solche Politiker und Politikerinnen bestehen, wenn sie vor dem Weltgericht stehen und daran gemessen werden, was sie den geringsten Ihrer Brüder getan, ob sie ihnen zu essen, zu trinken und Obdach gegeben (vgl. Matthäus 25, 31-46)? Jedenfalls sind sächsische Christdemokratinnen und -demokraten nicht bereit, dieses Wortes wegen, wie einst Martin von Tours, schon ihre Mäntel mit Bettlern zu teilen. Und sie könnten höchstens vorbringen, sie hätten die Seligpreisungen der Bergpredigt (vgl. Matthäus 5, 3-12) so verstanden, dass alle Sorge um die Armen, die Trauernden, die Gewaltlosen, Hungernden, Dürstenden usw. ins Himmelreich delegiert sei – so wie für die Lilien auf dem Felde und die Vögel im Walde (vgl. Matthäus 6, 25-34). Sie könnten auch sagen, einer alten lateinischen Version der Bergpredigt und deren Übersetzung aufgesessen zu sein: „Beati pauperes spiritu“ – „Selig sind die Armen im Geiste“. Diese Seligkeit der Armen im Geiste – so könnten sie sagen – habe man wiederum wörtlich genommen und wollte sie gottgefällig mit einem Bruch des Tarifrechts bei Lehrerinnen und Lehrern und einer sozial selektiven Schule befördern.

Sie dünken sich als das Salz der Erde unsere Christdemokratinnen und Christdemokraten.   Aber: „Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr; es wird weggeworfen und von den Leuten zertreten.“ (Matthäus 5, 13)

(Alle Bibel-Zitate nach der Einheitsübersetzung, Herder, Freiburg, Basel, Wien 1980)

Vatermord, Brudermord oder Hänsel und Gretel. Vom Lob der Doppelspitze!

2010 19 Januar
von Peter Porsch

Die Grundstruktur der Tragödie ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Da können sich zwei – zuvor oft sogar eng Verbundene – irgendwann und aus irgend einem Grund nicht mehr leiden. Es sind Männer, oft sogar Brüder oder Vater und Sohn. Mit Kain und Abel hat es begonnen, den Söhnen von Adam und Eva. Eigentlich ist die Sache noch älter. Luzifer, der Lichtträger, war einst ein Engel an der Seite Gottes. Beide sind in aller Überlieferung männlich gedacht. Luzifer wollte eines Tages die Autorität Gottes nicht mehr anerkennen. Er lehnte sich auf, konnte sich von Gott emanzipieren, wurde jedoch als Ausbund des Bösen in die Hölle verdammt und deren Fürst. Josef, den Träumer und Liebling des Vaters, wollten, wie im Alten Testament berichtet, seine Brüder aus dem Weg räumen. Ödipus, der von der Mutter zur Verhinderung der prophezeiten Tragödie dem Tode preisgegeben war, tatsächlich aber bei Pflegeeltern aufwuchs, erschlug seinen Vater im Streit, ohne zu wissen, dass es sein Vater war, und heiratete zu allem Überdruss noch dessen Frau, die eigene Mutter. Brutus half beim Mord an Caesar und wurde von diesem im Sterben erstaunt gefragt: „Auch Du mein Sohn Brutus?“ Franz und Karl Moor waren sich spinnefeind im Kampf um die Gunst des Vaters und das Erbe. Wie es ausging, kann bei Schiller nachgelesen werden. Grillparzer nimmt den Unterschied zwischen Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und seinem Bruder Mathias zur Grundlage eines Dramas – „Ein Bruderzwist in Habsburg“. Der Zauderer Rudolf verliert schließlich die Krone an den verwegeneren und risikobereiteren Bruder. Am Horizont dräut der Dreißigjährige Krieg. Seltener als Männer sind Frauen die Gegnerinnen im Konflikt – dann meist Stiefmutter und Stieftochter. Wir kennen Schneewittchen oder Aschenbrödel. Manchmal ist es auch die böse Fee, die den Tod eines Mädchens will, weil man ihre Eitelkeit verletzt hat. Dornröschen kann nur mehr gerettet werden um den Preis des hundertjährigen Schlafes. Und das gesamte Schloss schlief mit – stagnierte also 100 Jahre in seiner Entwicklung, allerdings um dann munter weiter zu machen, wo man aufgehört hatte.

Eines haben alle diese Geschichten gemein: Es stehen sich in der Auseinandersetzung Menschen gleichen Geschlechts gegenüber. Man kann auch sagen, Menschen, die sich nur hassen können und als Rivalen verstehen, weil sie sich gleichen und deshalb ins Gehege kommen. Intersexuell oder homosexuell gehen die Dinge viel besser aus. Da sind Unterschiede aufeinander bezogen und miteinander verbunden. Schwesterchen kümmert sich um Brüderchen, auch wenn es zeitweise nur ein Reh ist, und sorgt schließlich für seine Erlösung. Hänsel und Gretel halten zusammen bis zu ihrer Selbstbefreiung und dem Ende der Hexe. Der Prinz rettet immer die Prinzessin. Anderes ist nicht bekannt. Und der Sänger Blondel, der seinen Herren, König Richard Löwenherz, aus österreichischem Burgverlies befreite, war auch dessen Geliebter und hat ihn deshalb gesucht und wieder gefunden. Der böse Bruder des Königs aber, John Lackland, versuchte während dessen Abwesenheit, den Thron für sich zu erobern und sich der Getreuen Richards zu entledigen.

Daraus kann man doch etwas lernen: In den meisten Fällen buhlen Männer gegeneinander um die Macht, kommen irgendwann nicht mehr miteinander aus und die ewige Tragödie nimmt ihren Lauf. Frauen machen das seltener, aber nicht weniger folgenreich. Was spricht also dagegen, Macht immer gleichzeitig in die Hände von beiderlei Geschlecht zu geben? Nichts! Alles spricht aber für die Doppelspitze. Wir sollten sie uns auch in der LINKEN nicht nehmen lassen. Das folgt einer Menschheitserfahrung.

Ein Theater und seine Sprache oder vox populi vox Kronen-Zeitung vox populi.

2010 18 Januar
von Peter Porsch

1. Prolog

Wer, wie ich, in Wien unmittelbar nach dem letzten Weltkrieg zwischen Augarten und Wallensteinstraße aufgewachsen ist, weiß dass in dieser Gegend sehr viel Tschechisch und Slowakisch gesprochen wurde. Die alten Frauen im Beserlpark am Gaußplatz unterhielten sich in ihren Muttersprachen. Wenn sie Deutsch sprachen, merkte man vor allem an der Phonetik, dass dies höchstens ihre zweite Muttersprache sein konnte. Liebevoll nannte man dieses Idiom „Behmageln“, was eben auf den böhmischen bzw. slowakischen (für die deutschsprachigen Wienerinnen und Wiener gab es da keinen Unterschied) Grundton Bezug nahm. Die Mehrheit der Familiennamen der 14 Mietsparteien in unserem Haus reflektierten diese Situation: Pany, Schebella, Cerny, Godai, Skolnik, Schrom, Korinek, Schimek; Wasitzky war polnischen Ursprungs. In der Volksschule wurde erhoben, wer zu Hause deutsch sprach und wer eine andere Sprache. Das Ganze war so normal, wie etwas nur normal sein konnte. Es war der alten k.u.k. Monarchie geschuldet – ihrer ethnischen Vielfalt, ihren sozialen Verhältnissen und ihrer weitgehenden inneren Freizügigkeit. Viele Tschechoslowaken und Tschechoslowakinnen waren beim „Sokol“ landsmännisch organisiert. Relikte urwiener Überheblichkeit gegenüber „Zugereisten“ gab es wohl. Bei Rangkonflikten z.B. den Spruch „Zuerst der Weaner, dann der Behm.“ Angewandt wurde er aber bei jeder Art von Rang-Rangelei und war fast immer scherzhaft gemeint. Von einer Freundin meiner Großmutter, einer Heurigensängerin namens Matzke (eine tschechische Ableitung auf Matthias), hörte ich öfter ein Lied über die Fronleichnamsprozession, die eine große Hetz (ein großer Spaß) in Wien war, und darüber, wer dort immer hin kam: „der Pany, der Wosselack, der Zwickidack, der Pschisty und der Haderlack, der Jiritschek, der Gebranek und auch der Wenzel Zschiptschaptschek, der Woprehal, der Zapledal …“

2. Vorgeschichte

Wer sie ganz genau wissen will, sehe bei Wikipedia unter „Arigona Zogaj“ nach. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Mädchen, dessen Vater 2001 aus dem Kosovo illegal nach Österreich eingereist ist und trotz eines abgelehnten Asylantrags 2002 seine Frau und seine Kinder nachkommen ließ. Der Vater arbeitet und fällt mit seiner Familie niemandem zur Last . Die Kinder besuchen brav Schule bzw. Kindergarten. Sie sind im Heimatort beliebt, sprechen sehr gut Deutsch und gelten als integriert. Schließlich wird aber dennoch 2007 die Ausweisung vollzogen. Die Familie kommt in den Kososvo, nur Arigona entzieht sich der Ausweisung durch Verstecken. Eine unendliche, höchst tragische Geschichte beginnt: Es gibt Selbstmorddrohungen seitens Arigonas, ein Pfarrer outet sich als Verstecker und quasi Anwalt Arigonas vor der Öffentlichkeit. Arigona darf die Schule weiter besuchen. Geschwister kehren zeitweilig über Ungarn nach Österreich zurück usw. usw. Von einem Magazin wird Arigona, die weiter um ihren Aufenthalt kämpft 2009 zum „Mensch des Jahres” gewählt. Ihr Schicksal wird Gegenstand eines Theaterstückes von Franzobel:  „A Hetz oder Die letzten Tage der Menschlichkeit“. Anfang Januar wurde eine weitere Dramatisierung der Geschichte durch Holger Schober unter dem Titel „Heimat.com“ in Heilbronn uraufgeführt.

3. Eine Meldung und die Kommentare

Eine, nimmt man den blanken Text und entkleidet man ihn seiner Intertextualität (der Beeinflussung seines Verständnisses durch bereits bekannte frühere Texte), sehr neutral gehaltene Meldung auf der Internetseite „krone.at“ informiert am 06.01.10 über die Uraufführung, verweist auf die bereits vorhandene Dramatisierung und erinnert in zwei Sätzen an die realen Begebenheiten rund um Arigona. Außerdem wird darüber informiert, dass auch in Deutschland 14.000 Kosovaren von der Abschiebung bedroht wären, Europarat und Vereinte Nationen allerdings der Meinung seien, dass eine Rückkehr dieser Menschen in Sicherheit und Würde nicht möglich sei.

Stellt man für diese Meldung die Intertextualität her – und alle Kommentatorinnen und Kommentatoren im Netz haben dies offensichtlich getan – so stößt man auf einen sehr emotional ausgetragenen Streit um das Schicksal der Familie, um die Rechtmäßigkeit der Abschiebung und mehr noch um deren Angemessenheit. Verquickt ist dieser Streit mit den Konflikten konträrer Einschätzungen der Situation und Motive der Asylbewerber. Es geht um „Menschen in Not“ versus „Schmarotzer am österreichischen Wohlstand“. Die Kronen-Zeitung ist dabei hauptsächliche Plattform der Vertreterinnen und Vertreter der zweiten Wertung. Die Kommentare zur gegenständlichen Meldung sind quantitativ und qualitativ Indiz dafür. Sprachlich spiegeln sich die Einstellungen der Kommentierenden zu Asylbewerberinnen und -bewerbern generell, zur Familie Zogaj, zu Arigona und ihren Unterstützerinnen und Unterstützern im Besonderen und zur Dramatisierung in Deutschland im aktuellen Fall. In einer Nebenlinie wird auch mehrmals noch (durchgängig negativ wertend) auf das Schicksal von Natascha Kampusch Bezug genommen, die, als Kind entführt, acht Jahre in Gefangenschaft gehalten wurde. Der Bezug wird immerhin fünf Mal hergestellt (z.B. „hauts eich auf a packal“, „gemeinsam im keller einsperren“) immer mit verächtlich machender Wertung und insgesamt mit Zustimmung von 157 Leserinnen und Lesern.

Untersucht habe ich 59 Kommentare, die am 06.01.10 zwischen 16:51 Uhr und 18:33 Uhr abgegeben wurden. Bei den Kommentaren wird immer die Zahl der Zustimmungen durch Leserinnen und Leser genannt. Ich füge diese ebenfalls hinzu. Man kann aber nicht erkennen, wie viele verschiedene Leserinnen und Leser hinter den jeweiligen Kommentaren stehen. Wenn ich zitiere, behalte ich die Originalorthographie bei.

Die gesamte Asylproblematik, die in Österreich wesentlich von der negativen Haltung der rechtspopulistischen Parteien FPÖ und BZÖ zu illegal eingereisten Ausländerinnen und Ausländern sowie Asylantinnen und Asylanten geprägt ist, wird z.B. als „Wahnsinn“ bezeichnet (einmal schließen sich 17 Leserinnen und Leser dieser Wertung an und einmal 46), mit dem „Schluss“ gemacht werden müsse (eine Meinung, der sich 46 Leserinnen und Leser anschließen). „Diese Ausländer führen sich auf, als ob sie bei uns zu Hause wären!!!!!“ wird in einem Kommentar gesagt (21 Leserinnen und Leser machen sich dies zu eigen). Das Theaterstück könnte in Deutschland die Ansicht stützen, in Österreich wäre es sehr einfach, illegal leben zu können und die Behörden lächerlich zu machen. Das könnte dazu führen „dass wir demnächst wort-wörtlich überrannt werden. den dise stück wird beispielgebend sein.“ (dazu gibt es 16 Zustimmungen). Andererseits wird die Premiere des Stücks in Heilbronn zum Anlass und Argument genommen, Arigona mit ihrer Familie doch nach Deutschland abzuschieben oder auf Welttournee zu schicken. In sieben Kommentaren kommt dies zum Ausdruck (281 Leserinnen und Leser unterstützen dies). Allein dem Kommentar „Bitte die Arigona nach Deutschland schicken und lasst sie und ihre Familie an dem Theaterstück mitverdienen – dann sind wir sie los und die Diskussion hätte endlich ein Ende!!!“ schließen sich 104 Leserinnen und Leser an. Das angesprochene Theaterstück wird auch als Provokation des Volkes verstanden (einmal 22 Zustimmungen und einmal 4). „Solche ,Theaterstücke‘ werden von Nestbeschmutzern gemacht“ (14 Zustimmungen). Der Empfehlung, dass Österreich bei falscher Darstellung der Sachverhalte im Stück klagen sollte („wegen unwahrheit, verhöhnung österreichs usw. alles was man da klagen kann“) schließen sich 26 Leserinnen und Leser an. Der Darstellung der Welt auf dem Theater wird mit dem „Fall Arigona“ die Welt als Theater oder auch „Kasperletheater“ (79 Zustimmungen) gegenübergestellt. „,Unsere neuen Super Stars‘ – Arigona u. Natascha! Applaus“ gefällt 82 Leserinnen und Lesern. Für „na bei uns in österreich is das schon längst a theater“ können sich 31 Leserinnen und Leser erwämen. In einem Kommentar wird gefragt, „Kommt nach Hollywood und Bollywood jetzt Kosowood ??????“ und 42 Leserinnen und Leser würden die gleiche Frage stellen. Dass die Vorgänge um Arigona eine „schmierenkomödie“ und „wohl ein geschmackloser witz“ seien, sehen 46 andere ebenso. Die Akteure der realen Vorgänge seien „besser als jeder gelernte Schauspieler, sonst könntens uns ja nicht so ein Theater vorspielen und das über Jahre hinweg“ findet die Zustimmung von 21 Personen. „Theaterstück“ sei sehr treffend, denn die “show die da abgezogen wurde entsprach einem theater. allerdings einem schlechten“ wird 12 mal unterstützt.

Vergleiche dazu DUDEN Deutsches Universalwörterbuch:

Theater: … (ugs. abwertend) Unruhe, Verwirrung, Aufregung, als unecht oder übertrieben empfundenes Tun …

Als „Mensch des Jahres“ wird Arigona in einem Kommentar als „schmarotzerin“ ironisch den „einheimischen frauen“ gegenübergestellt, die – wiederum ironisch – nichts leisten. Es ist aber Arigonas Generation, die „gar nicht ans arbeiten denkt oder noch weniger daran gewöhnt ist? aber andersrum. warum soll man etwas leisten, wenn man alles geschenkt bekommt“ (9 Leserinnen und Leser sind auch dieser Meinung). Was das Arbeiten betrifft war allerdings Arigona mit ihrer Familie sehr vielmehr das Beispiel für das Gegenteil von dem, was hier behauptet wird.

Die zitierten Beispiele und andere zeigen ausreichend, Leserinnen und Leser von „krone.at“ und die dazu gehörigen Kommentare artikulieren in großer Mehrheit ihre ablehnende Distanz zu differenziertem Umgang mit Asylbewerberinnen und -bewerbern. „Abschieben“, „heimschleichen“, „abstrafen“, „Schluss machen mit dem Wahnsinn“, „nach Deutschland holen“ sind die Empfehlungen. „… im Wohnhaus sind mehr Immigranten als Einheimische …“, wird böse festgestellt. Langwierige Prozeduren werden als „Theater“ auf Kosten der Steuerzahler empfunden. Könnte man dies alles noch als zwar wenig sachliche, gefährlich verkürzende, schablonenhafte, sprachlich manchmal deftige, dennoch aber legitime Meinungsäußerung verstehen, so entlarven die direkten Bezeichnungen für Arigona und ihre Familie bzw. Asylbewerberinnen und -bewerber überhaupt den inhumanen, intoleranten, z.T fachistoiden Meinungssumpf, aus dem unerträgliche Sprachblasen aufsteigen: Immerhin 31 Leserinnen und Leser meinen, man könne von „Arigona und ihre Muschpoke“ sprechen, von „dem Kaliber“, von dem man hier genug hätte. Mit der Benennung „Schmarotzerin“ stimmen 14 Personen überein (die „schmarotzt“ dann natürlich, was 27 andere genau so sehen), 20 freuen sich über „kosovarisches Gsiachtl“, ebenso 20 über „grinsende Kosovoabzockergesindel“. „Illegal eingereiste arbeitsscheugesindel“ stimmen 24 Leserinnen und Leser zu. „Pack“ hören 22 Personen offensichtlich gerne, 21Leserinnen und Leser bekräftigen „illegal eingereiste Gesetzesbrecher“ und 12 halten diese für „Gesocks“. Zweimal wird auch einfach von „Familie“ gesprochen, allerdings auch in negative wertenden Kontexten. Der Arigona schützende Pfarrer, ist übrigens der „pfarrer, der ihr am hintern gafft“  (36 Leserinnen und Leser sehen das genau so).

Der Genauigkeit halber seien hier wieder die jeweils zutreffenden Bedeutungsdefinitionen aus dem „DUDEN  Deutsches Universalwörterbuch eingefügt:

Mischpoke: ..,. üble Gesellschaft, Gruppe von unangenehmen Leuten …

Kaliber: … (ugs. häufig abwertend) Art, Sorte: ein Verbrecher tollsten  -s …

schmarotzen: … (abwertend): faul auf Kosten anderer leben …

Gesindel: … (abwertend): Gruppe von Menschen, die als asozial, verbrecherisch o.ä. verachtet, abgelehnt wird …

Pack: … (salopp abwertend): Gruppe von Menschen, die als asozial, verkommen o.Ä. verachtet, abgelehnt wird …

Gegenpositionen oder wenigstens abmildernde Äußerungen findet man kaum: Höchstens vier Kommentare erfüllen diese Qualifikation, z.T. auch nur bedingt, insgesamt 28 Leserinnen und Leser schließen sich dem an. Das sind im Urteil der Übrigen jedoch die „gutmenschen“, die sich „wirklich bis zum rand der erschöpfung papierln“ lassen (12 Zustimmungen).

4. Epilog

Am 17.01.2010 schreibt die Kronen Zeitung eine zweiseitige Titelgeschichte zu Thomas Vanek. Dieser Mann ist ein erfolgreicher österreichische Eishockeyspieler in der nordamerikanischen NHL und entscheidender Leistungsträger in der österreichischen Eishockey-Nationalmannschaft. Geboren wurde er 1984 in Baden bei Wien als Sohn eines zwei Jahre zuvor emigrierten tschechisch-slowakischen Ehepaares. „Da hat das Schicksal seien Weichen gestellt: Als seine Eltern auf der Flucht nach Österreich nicht aufgaben. Als sich die Mutter auf die Kühlerhaube setzte, mit den Händen an die Scheibenwischer geklammert, weil das armselige Auto die Passhöhe sonst nicht derschnauft hätte. Als ein Grenzmann die kleine Familie im Urlauber-Stau durchließ. Sie waren aus dem Osten geflohen, um über Österreich das Glück in Amerika zu suchen. Sie landeten in Traiskirchen … Der Vater ein willkommener Eishockey-Spieler und Trainer. … Sportler des Jahres war Thomas Vanek eh schon. Als Mensch des Jahres könnte seine Vorbildwirkung noch vertieft werden.“ (Kronen-Zeitung, 17.01.10, S. 12f.)

5. Schlussfolgerung

  1. Die Sprache entlarvt ziemlich einfache und deshalb um so gefährlichere geistige Strickmuster.
  2. Die Kronen-Zeitung legitimiert ihre oft direkte, feindselige Sprache im Zusammenhang mit Ausländerinnen und Ausländern durch die Sprache ihrer Leserinnen und Leser.
  3. Die Leserinnen und Leser legitimieren ihre Sprach-Gewalt aus der Berichterstattung der Kronen-Zeitung selbst, die sprachlich zwar meist sanfter formuliert, der Sprach-Gewalt der Leserinnen und Leser aber öffentlichen Raum und freien Lauf gibt.
  4. Es gibt Unterschiede zwischen illegaler Einreise und illegaler Einreise.

4.1. Sie wurde immer begrüsst, so lange sie aus den alten Ostblockstaaten heraus führte.

4.2. Sie wird begrüsst, wenn sie sportliche Erfolge bringt.

4.3. Elend und Gefahr für Leib und Leben im Herkunftsland allein und einfache Arbeit und

Schulerfolg gelten nicht als Legitimation.

4.4.Es gibt also Menschen verschiedenen Werts. Dieser Wert misst sich am Nutzen für

Österreich und nicht an allgemeiner Menschlichkeit und Menschenrechten.

5.Wer keinen Nutzen bringt, bringt Schaden, wird als asozial und kriminell denunziert.

Manches setzt eben dem Fass die Krone auf!


Helft Haiti

2010 15 Januar
von Peter Porsch

Datum: Thu, 14 Jan 2010
Von: “Luis Morago – Avaaz.org”
An: “WLambrecht@gmx.at” ……leitet weiter…….
Betreff: Solidarität mit Haiti

Liebe Freundinnen und Freunde!

Das schwerste Erdbeben seit 200 Jahren hat Haiti erschüttert. Die
Hauptstadt ist verwüstet, Zehntausende sind umgekommen, und die Lage
bedroht über drei Millionen Einwohner des geplagten Inselstaates.

Die Haitianer appellieren an die Welt um Hilfe. Wir sind bereits im Kon-
takt mit starken lokalen Organisationen,die Soforthilfe in den betroffenen
Gemeinden organisieren. Lasst uns eine weltweite Spendenwelle an die
vorderste Front anrollen, um Leben zu retten und den Menschen beim
Wiederaufbau zu helfen. Avaaz arbeitet mit Partnern um sicherzustellen,
dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am meisten benötigt. Spenden
Sie hier:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Aufgrund von verschieden Gutachten von führenden humanitären NGO’s, die
seit mehr als 30 Jahren in Haiti arbeiten, werden wir vertrauenswürdige
lokale Organisationen unterstützen, darunter:

- Ehre und Respekt für Bel Air, ein großes lokales Netzwerk in Haitis
Hauptstadt Port-au-Prince, das auch durch unsere Freunde, der angesehenen
brasilianischen NGO Viva Rio, unterstützt wird
– Coordination Régionale des Organisations de Sud-Est (CROSE), die
einige der aktivsten lokalen Gruppen im Süden von Haiti, der am
schlimmsten betroffenen Region. Zu diesen Gruppen gehören: Frauengruppen,
Schulen und lokale Genossenschaften.
Im Jahr 2008 haben Avaaz-Mitglieder über 2 Millionen Dollar für die
burmesischen Mönche gespendet, um auf den verheerenden Wirbelsturm Nargis
zu reagieren. Unser Geld machte einen großen Unterschied – denn es ging
direkt an die lokale Bevölkerung an vorderster Front.

Solch verheerende Naturkatastrophen bringen das Beste in uns z.Vorschein,
indem Menschen zusammenfinden. Zeigen wir nun Solidarität mit den
Menschen in Haiti und helfen wir ihnen, diese Katastrophe zu bewältigen —
Handeln Sie bitte jetzt:

https://secure.avaaz.org/de/stand_with_haiti

Mit Hoffnung für Haiti,

Luis, Paul, Graziela, Paula, Ricken, Pascal, Alice, Benjamin, Julius,
Milena und das ganze Avaaz-Team

Mehr Information:

Erdbeben in Haiti:

http://www.spiegel.de/thema/erdbeben_in_haiti/

Haitis Regierung befürchtet Zehntausende Tote:

http://www.ftd.de/politik/international/:erdbeben-in-der-karibik-haitis-regierung-befuerchtet-zehntausende-tote/50059636.html

Haiti-Erdbebenhilfe läuft nur schleppend an:

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5125954,00.html

Hintergrund: Haiti, ein geschundenes Land:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,671837,00.html

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Avaaz unterstützen? Unser Netzwerk wird ausschliesslich durch Spenden
finanziert und akzeptiert kein Geld von Regierungen oder Konzernen. Unser
engagiertes Online-Team sorgt dafür, dass selbst die kleinsten Beträge
effizient eingesetzt werden — Spenden Sie hier.
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ÜBER AVAAZ

Avaaz.org ist eine unabhängige, nicht-profitorientierte Organisation, die
internationale Kampagnen organisiert und sicherstellt, dass die Meinungen
und Wertvorstellungen der Weltöffentlichkeit globale Entscheidungen
mitbestimmen (Avaaz bedeutet “Stimme” in vielen Sprachen). Avaaz akzeptiert
kein Geld von Regierungen oder Konzernen und wird von einem internationalen
Kampagnenteam betreut. Avaaz betreibt Büros in New York, Washington,
London, Paris, Genf und Rio de Janeiro.Telefon +1 888 922 8229 oder +55 21
2509 0368. Klicken Sie hier ,um mehr über unsere Kampagnen zu erfahren.
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