Wie soll denn das gehen? Mit dem Kopf durch die Wand geht jedenfalls meistens schief und hat Beulen zur Folge. Wenn überhaupt, geht das nur im Kino. Und tatsächlich, 1959 war Heinz Rühmann, „Der Mann, der durch die Wand ging“ und schon 1958 wollte Hardy Krüger in der deutschen Version eines englischen Films mit dem Kopf durch die Wand. Jedenfalls suggerierte dies der Titel. Heinz Rühmann ging sogar durch Gefängnismauern im Knast aus und ein. Beide Filme wurden von der Kritik als oberflächlich qualifiziert. Das soll uns aber jetzt nicht weiter berühren. Die Frage bleibt, kann ein Mensch in der Realität durch die Wand, wenigstens mit dem Kopf, und dann gar noch durch Gefängnismauern? Nun, einer hat es versucht. Er wollte nicht gleich körperlich durchs Gemäuer, hinter dem er eingeschlossen war. Er wollte es aber bildlich gesprochen mit dem Kopf. Der Typ war ein Neonazi. Solche kennt man zwar eher als Glatzköpfe als welche mit Köpfchen, dieser war jedoch wohl eine Ausnahme. Der Mann selber kam – wie gesagt – aus dem Knast nicht raus. Er war wegen Totschlags verurteilt und trug sinnigerweise auch noch den Namen Tödter. Seine Fäden konnte er jedoch durch die dicken Mauern spinnen und ein Netzwerk von Neonazis über Gefängnisse in mindestens neun Bundesländern werfen. Er machte das mit Hilfe von Anzeigen. Just an Führers Geburtstag verkündete er 2012 in den „Biker News“ die Gründung einer Gefangenenhilfsorganisation „AD Jail Crew“ Pfiffig, nicht wahr? Wer vermutet schon, dass sich Neonazis, denen doch das Deutschnationale wie Schaum aus dem Mund trieft, der englischen Sprache bedienen. Damit war die Tarnung wohl perfekt. Aber, „es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen.“ Das ist der eine Teil der Geschichte. Dieser war schon im Februar 2013 im „nd“ nachzulesen. Der andere Teil trug jedoch die Überschrift, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Der Untertitel war außerdem, „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“ Diesen Teil schrieb der hessische Innenminister. Der heißt übrigens Hahn und ist zuständig für die JVA Hünfeld, wo man Kontaktlisten des Netzwerkes fand. Dieser Hahn betreute sein Hü(h)n(er)feld schlecht. Er verkniff sich das warnende Krähen, selbst als ihn – wie er selbst zugab – schon ein „entsprechendes Bauchgefühl“ beschlichen habe.
Nun, den Fortgang und Schluss der Geschichte mögen meine geneigten Leserinnen und Leser der Tagespresse entnehmen. Ich möchte hier aber vermelden, es geht noch schlimmer – oder dümmer? Es sollte sich ein mongolischer Exdiplomat und Geheimdienstmann vor dem Berliner Kammergericht wegen „Verschleppung und Körperverletzung“ verantworten. Er stand im begründeten Verdacht, den mutmaßlichen Mörder eines mongolischen Oppositionspolitikers unter Anwendung von Gewalt und Drogen aus Frankreich zunächst nach Berlin entführt und dann in die Mongolei verbracht zu haben. Doch der Angeklagte fehlte unentschuldigt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dachte sich der Strafsenat. Vielleicht steht der Arme im Stau? Doch er kam auch nach 20 Minuten Wartezeit nicht zum Termin. Die Richter vertagten sich, nicht ohne vorher einen Haftbefehl zu erlassen. Das hätten sie sich freilich ersparen können, denn der Verdächtige war schon mal in Haft. Erst war er in Großbritannien eingesperrt und dann an die deutsche Justiz ausgeliefert worden. Diese hob allerdings 2010 den Haftbefehl auf. Der Mann nutzte dies flugs zum Flug nach Ulan Bator, wohin ihm ein paar Tage später die deutsche Kanzlerin folgte – natürlich nicht, um den Übeltäter wieder zurück zu holen. Nein, die Kanzlerin wollte keinen unnützen Streit mit der mongolischen Staatsmacht. Die vielversprechenden Wirtschaftsverhandlungen sollten nicht gestört werden durch eine solche Petitesse wie Entführung und Körperverletzung. Alle Beteiligten waren doch Mongolen. Was focht es also Frau Merkel an? Der Mann ging durch die Wand des Gefängnisses und Frau Merkel ging mit ihrem Kopf durch die Wand.
Man möchte die Wände hochgehen!
Geschrieben am 15.04.2013 für “Links” Mai 2013
Hätte DIE LINKE nicht kandidiert, hätten SPD und Grüne allein eine Mehrheit bekommen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Er ist ein Hund, wenn er nur einen Schwanz hätte.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Es ist keine Eule, die nicht schwüre, sie hätte die schönsten Jungen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätte jeder das Seine, so wärst Du arm wie ein anderer.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätte mancher einen Stab, so könnte er auch hinüberspringen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Keiner ist so klug, dass er nicht ein wenig Narrheit übrig hätte.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Was man zu weit wegwirft, hätte man gern.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Wenn der Teufel einen Anwalt hätte, käme er um die Hölle.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Manch einer wäre jung, wenn er nicht so ein alt‘ Gesicht hätte.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Wäre Judas zwiern getauft, er hätte doch den Herrn verkauft.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Sind die Hühner brütig, so hätten sie gern Eier.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätte der Hund nicht, hätte er den Hasen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Sähst Du einem Hasen so ähnlich wie einem Narren, die Hunde hätten Dich längst zerrissen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Ich hätte mich auch gern gewärmt, konnte aber nicht zum Ofen kommen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Wenn Lügen feines Tuch wären, wäre es kein Wunder, wenn er schöne Kleider hätte.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Man soll die Suppe nicht versalzen, wenn man gleich Salz genug hätte.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Was man gerne hätte, mag man nicht erwarten.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätte meine Tante Räder, wäre sie ein Autobus.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hättest Du geschwiegen, wärest Du ein Philosoph geblieben
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätten wir alle einen Sinn, wir hätten einen Weg.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätten Tanten Trommeln statt Tormpeten, täten Tanten trommeln statt zu tröten.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Hätte DIE LINKE nicht kandidiert, hätten SPD und Grüne allein eine Mehrheit bekommen.
„Hätte, hätte, Fahrradkette“ (Peer Steinbrück)
Und jetzt ist‘s gut (Peer Steinbrück)
(Ich bedanke mich bei Google für die Hilfe beim Suchen und bei Peer Steinbrück für die tollen Kommentare. Der alte Peer – immer ein passendes Wort auf den Lippen!)
14.04.2013
Deutschland hat 357.121 km² und knapp 82 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Das gibt eine Bevölkerungsdichte von 230 Menschen pro km². Jeder Bewohner, jede Bewohnerin Deutschlands kann also statistisch etwa 4.340 m² für sich in Anspruch nehmen, um zu wohnen, sich zu ernähren und sonstige Dinge, die sie oder er noch so braucht, aus dem Boden zu gewinnen. Wer freilich denkt, das müsste doch reichen, irrt. Das Wiener „Sustainable Europe Research Institut“ hat jetzt eine andere Rechnung aufgemacht. Allein für das Wohnen und was damit zusammenhängt werden pro Kopf durchschnittlich 400 ²m Boden verbraucht, und als reine Agrarfläche sind noch einmal 6.000 ²m vonnöten. Das ist noch kein ganzer Hektar, aber doch schon mehr, als nach den obigen Zahlen zur Verfügung steht. Und es reicht noch lange nicht. In jedem Industrieprodukt, in jeder Dienstleistung steckt Bodenverbrauch – für einen Laptop z. B. 10 ²m, für ein Auto 150 ²m. Wie gleicht sich dann die Differenz aus? Ganz einfach: Man bedient sich außerhalb der Grenzen des eigenen Landes. So beutet z. B. Deutschland 66 % des für seinen Konsum benötigten Landes nicht in Deutschland selbst aus, sondern anderswo, auch in Europa, vornehmlich jedoch in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die gesamte EU macht das zu 44 %. Das genannte Institut nennt den Landverbrauch „Land-Fußabdruck“. Das Bild vom Fußabdruck ist gut gewählt. Denn das alles ist für die betroffenen Länder beileibe kein Geschäft. Es ist eine Last. Waldrodung, Pestizideinsatz, Überdüngung werden von Europa ausgelagert. Rohstoffgewinnung hinterlässt irreparable Schäden. Die Produktion von Exportware steht in den Erzeugerländern in Konkurrenz zur Selbstversorgung und schmälert diese oft bis zur Katastrophe. Der zunehmende „Hunger“ nach Land führt zu „Landraub“. Stellvertretend machen das für uns die großen Konzerne und ihre Handlanger in den betroffenen Ländern. Über Jahrhunderte von Einheimischen nach Gewohnheitsrecht bewirtschaftetes Land wird für herrenlos erklärt und verkauft. Die Lebensgrundlage vieler Menschen ist zerstört. Aber es ist wie bei Yeti, dem Schneemenschen. Man findet den Fußabdruck, die Verursacher bleiben weitgehend im Verborgenen. Und selbst wenn man eine Vorstellung von ihnen hat, selbst wenn man ihnen begegnet, man bekommt sie nicht zu fassen.
Mir fällt da noch ein altes norwegisches Märchen ein: Ein junger Mann kommt auf den Marktplatz einer kleinen Stadt und beginnt eine Feuerstelle zu errichten. Darüber hängt er seinen Suppenkessel. Neugierig schauen die Marktfrauen, was da so geschehen soll. Der junge Mann füllt den Kessel mit Wasser, holt aus seiner Tasche ein kleines Päckchen und wickelt einen Nagel heraus. Kurz lässt er ihn in der Sonne glänzen und wirft ihn dann ins langsam zu kochen beginnende Wasser. „Es wird eine feine Nagelsuppe“, erklärt er den etwas ratlos Herumstehenden. Ja, nur der Nagel wäre die Grundlage der Suppe. Ein Möhrchen dazu könnte zwar nicht schaden, wäre aber nicht wirklich nötig. Sellerie würde den Geschmack sicher ein wenig verbessern, aber sein muss es nicht. Ähnlich wäre es mit Petersilie und anderem Gemüse. Alles verfeinerte zwar das Ergebnis, wirklich brauchen würde man es aber nicht. Immer noch von der Neugier getrieben, versorgten die Frauen den Mann mit den angesprochenen „Unnötigkeiten“. Die Suppe war schließlich fertig. Jede und jeder durfte ein wenig probieren. Das Staunen über die Köstlichkeit, aus einem einfachen Nagel geschaffen, nahm kein Ende. Den Hauptanteil jedoch verleibte der junge Mann sich selbst ein. Sein Hunger war gestillt. Fertig geworden, wusch er den Kessel sorgfältig aus, wischte den Nagel ab und packte ihn wieder ins Papier.
Erzählt man die Geschichte, wird meist die Schlauheit des Jünglings bewundert und die Einfalt der Marktfrauen verlacht. Der Betrug erscheint als verdienter Erfolg auf dem Markt. So ähnlich verhalten sich wohl Europäerinnen und Europäer bis heute. Ohne die übervorteilten Lieferantinnen und Lieferanten aus anderen Erdteilen hätten wir jedoch plötzlich nur den Nagel, um daraus eine schmackhafte Suppe zu kochen.
(Geschrieben am 16.03.2013 für “links”, April 2013)